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Interview: Entwicklung von Affiliate-Marketing in Deutschland

(Hinweis: Dieses Interview wurde heute Morgen von einer Agentur per E-Mail bei mir angefragt und Mittags aus Platzgründen wieder abgesagt. Da dachte ich mir, ich verwende es als frischen Content für mein Blog…)

Diverse Studien zeigen seit Jahren kontinuierliche Wachstumsraten für Affiliate Marketing. Wie verbreitet ist Affiliate Marketing in Deutschland denn nun wirklich?

Karsten Windfelder: Den Partnerprogramm-Markt in Deutschland beobachte ich seit 2002, als ich das Affiliate-Marketing-Portal 100partnerprogramme.de startete. In dieser Zeit ist das Interesse an Affiliate-Marketing in Deutschland kontinuierlich gewachsen. Viele neue Partnerprogrammbetreiber sind auf den Markt gekommen. Es hat sich aber auch die Spreu vom Weizen getrennt. Zwielichtige Dialer-Anbieter und unseriöse MLM-Systeme sind vom Markt verschwunden.
Immer mehr Marken-Firmen nutzen inzwischen ein Partnerprogramm als weiteren Vertriebsweg. Ob Deutsche Post, OTTO oder obi, Partnerprogramme spielen eine immer größere Rolle im Marketing-Mix.

Welche Vorteile hat Affiliate Marketing gegenüber klassischer Onlinewerbung?

Karsten Windfelder: Der entscheidende Vorteil ist, dass Affiliate Marketing erfolgsbasiert vergütet wird. Das heißt, der Affiliate bindet die Werbemittel auf seiner Website ein und erhält nur eine Provision vom Merchant, wenn es zu einer Aktion kommt. Dies kann ein Klick, ein Lead (z. B. eine Anmeldung zu einem Newsletter) oder ein Sale sein. Der Merchant ist also auf den ganzen Websites der Affiliates präsent, schüttet aber nur eine Provision aus, wenn der Affiliate einen potentiellen Kunden vermittelt hat. Bei klassischer Onlinewerbung kann die Wirkung schon einmal ausbleiben, wenn das Schalten von zigtausend Bannerviews ohne Erfolg verpufft.

Und welche Nachteile?

Karsten Windfelder: Ich sehe eine Gefahr bei Klick-Programmen. Hier sind die Partnerprogrammbetreiber und besonders die Affiliate-Netzwerke gefordert, wirksame Mechanismen gegen Klickbetrug zu entwickeln. Im Bereich der Lead-Programme und besonders bei Pay-per-Sale-Modellen gibt es diese Gefahr nicht. Eine durchaus ernst zu nehmende Gefahr geht auch von Adware-Betreibern aus. Diese installieren bei Internetnutzern unbemerkt eine Software und leiten damit Affiliate-Provisionen zu sich um. Zum Nachteil ehrlicher Affiliates und zum Nachteil der Merchants, die für bestimmte Transaktionen doppelt zahlen müssen. Ich berichte auf 100partnerprogramme.de regelmäßig darüber.

Wie muss ein gutes Affiliate-Netzwerk aufgebaut sein?

Karsten Windfelder: Das Netzwerk ist Mittler zwischen Merchant und Affiliate. Beide Seiten müssen dem Netzwerk uneingeschränkt vertrauen können, da es alle relevanten Daten- und Provisionsströme kontrolliert. Wichtig ist ein funktionierender, zeitnaher Support zum Beispiel bei technischen Fragen. Sehr wichtig ist, dass sich die Netzwerke ihrer Vermittlerrolle bewusst sind und sich bei auftretenden Problemen – zum Beispiel Markenschutzfragen oder einer Häufung von Stornos – für den Merchant bzw. Affiliate einsetzen.

Und welchen USP brauchen Affiliate-Netzwerke, um sich voneinander abzusetzen?

Karsten Windfelder: Der deutsche Markt für Affiliate-Netzwerke scheint aufgeteilt, doch immer wieder starten neue Netzwerke mit großem Optimismus. Meiner Meinung nach haben heute startende Netzwerke nur eine Chance, wenn Sie sich klar von den bestehenden Netzwerken abgrenzen. Als mögliche Kriterien fallen mir ein: Servicequalität, Exklusivität bei interessanten Partnerprogrammen und technische Überlegenheit beim Schutz gegen Klickbetrug und Adware-Gefahren.

Welche Trends sehen Sie für Affiliate Marketing in den nächsten Jahren?

Karsten Windfelder: Schon jetzt zeichnet sich ab, dass zwar immer mehr Merchants Partnerprogramme starten, aber sich die Zahl der Affiliates kaum erhöht. Es wird also zu einem Wettkampf um die guten Affiliates kommen. Dies könnte sich in höheren Provisionen niederschlagen. Im Bereich der Affiliate-Netzwerke sehe ich eine mittelfristige Bereinigung des Marktes auf drei bis fünf Anbieter.

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5 Comments  comments 

5 Antworten

  1. avatar Tom

    Gibt es eigentlich aussagekräftige Zahlen, wie sich der Affiliate-Markt in Deutschland zu dem in den USA verhält? Interessant wäre das Verhältnis von Programmbetreibern zu Affiliates – rein gefühlsmäßig tippe ich was Deutschland angeht auf zahlreiche Programmbetreiber, die auf verhältnismäßig wenige Affiliates treffen. Auch interessant zu wissen wäre, wieviel Prozent des Umsatzes von Programmbetreibern auf Affiliates zurückzuführen ist.

    Und warum stagniert die Zahl der Affiliates in Deutschland? Sind wir einfach zu „konservativ“ was Vertriebsformen angeht?

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  2. @Tom: Bin auch auf der Suche nach Zahlen… Natürlich kommen neue Affiliates nach, aber nicht so in dem Maße, wie es neue Programmbetreiber gibt. Die verfügbaren Werbeflächen auf guten Websites sind größtenteils vergeben. Klar, dass mit der Weiterentwicklung des Internets auch neue Projekte und neue Websites entstehen.

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  3. avatar Daniel

    Ich sehe das genau wie Du, Karsten :) Immer weniger gute Werbeflächen für immer mehr Merchants. Also bitte keine neuen Parnerprogramme starten *grins* Alter Gauner.

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  4. […] Usability. Schon Mitte 2006 äußerte ich mich in einem Interview wie folgt: „Im Bereich der Affiliate-Netzwerke sehe ich eine mittelfristige Bereinigung des Marktes auf drei bis…“. Der Startschuss für die Marktkonsolidierung scheint also heute gefallen zu […]

  5. avatar Kerstin

    Hi,

    ich setze mich seit meinem studium sehr mit dem thema onlineshopping auseinander. es gibt ja eine vielzahl von preissuchmaschienen,.. aber eine allumfassende seite gibt es noch nicht, auch habe ich ztw. das gefuehl das man manipulliert wird. mit den entwicklern von itsyourworld.net hatte ich mal kurzzeitig kontagt um herauszufinden wie so eine seite funktioniert und wie man soviele artikel shops,.. einpflegt. jetzt weis ich das das nicht trivial ist da es kein standard gibt. sprich die gelieferten daten sind oftmals nur schwer auszuwerten auch wenn diese nur von einem affilate partner kommen. sommit werden halt auch oftmals nur die produkte von den shops angezeigt die gute daten liefern was natuerlich das suchergebnis verfaelscht. so lange die shopbetreiber keine vorgaben haben oder sich nicht daran halten wird dieser umstand bestehen bleiben. noch mal ein dank an das team von itsyourworld fuer den kurzen einblick in die technick. ich weis das sie fieberhaft drann arbeiten so viel daten wie moeglich in ihre auswertung mit einzubinden.

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