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Affiliate-Hopping: Neue Betrugsgefahr für Merchants?


Heute wurde in der Internet World Business (Ausgabe 15/06) der Artikel „Klickbetrug: Niedriges Niveau“ veröffentlicht. In diesem Zusammenhang wurde auf ein Whitepaper von etracker verwiesen, in dem vor einer neuen Betrugsgefahr gewarnt wird – dem so genannten Affiliate Hopping. Dabei erschleichen sich Partner auf betrügerische Art und Weise Provisionen von Merchants, die ihre Partnerprogramme bei mehreren Netzwerken betreiben.

Habe gerade mit Christian Bennefeld, Geschäftsführer der etracker GmbH gesprochen. Er sagte mir, man können das Whitepaper kostenlos bei ihm anfordern. Allerdings fehlt im Formular wohl noch die neueste Ausgabe. Ich würde daher empfehlen, in der Nachricht explizit nach dem Whitepaper „Stopp für Affiliate-Hopper“ zu fragen.

Meine Gedanken zu einzelnen Zitaten aus dem Whitepaper:

„Da die einzelnen Affiliate-Plattformen autark arbeiten und einen Cookie einer anderen Plattform nicht auslesen können, ist es technisch für die Plattformbetreiber nicht möglich, diesen Betrug festzustellen. Diese Betrugsvariante funktioniert nur dann, wenn Merchants ihr Partnerprogramm auf mehreren Affiliate-Plattformen betreiben und auf diesen dieselben Publisher an dem Programm teilnehmen.“

Beispiel: Ein großer Reiseanbieter betreibt sein Partnerprogramm bei folgenden Netzwerken: adbutler, affilinet, Commission Junction, TradeDoubler, Vitrado und Zanox. Diese sind untereinander nicht vernetzt und können somit den angesprochenen Betrug nicht erkennen.

„Viele Betrügereien fallen jedoch auch deshalb nicht auf, weil der Rückkanal zwischen Online-Verkauf und Warenwirtschaft des Merchants praktisch nicht vorhanden ist. Falls ein Händler überhaupt registriert, dass die Zahl der von ihm ausgeschütteten Provisionen weit über der Zahl der Verkaufsabschlüsse liegt, ist es meist viel zu spät, um gezielt auf den Betrug zu reagieren und einzelne Betrüger in der Masse der seriösen Publisher ausfindig zu machen.“

Ist das wirklich so? Fehlt in der Regel der Rückkanal aus der Warenwirtschaft? Für mich kaum vorstellbar. Und: Zu spät, um darauf zu reagieren dürfte es auch nicht sein. Immerhin werden alle seriös arbeitenden Affiliates durch die schwarzen Schafe geschädigt. Ich denke da an die Verantwortung der Netzwerke, die nach ihren AGB betrügerisch erlangte Provisionen stornieren, einfrieren und zurückfordern können.

„Denn üblicherweise bereinigt der Merchant seine Ausfälle um eine Stornoquote, die jedoch durch die betrügerischen Stornierungen der Affiliate-Hopper künstlich in die Höhe getrieben wird. Aufrichtige Publisher erhalten dadurch niedrigere Provisionen, als ihnen eigentlich zustehen würden.“

und

„In Ermangelung einer Schnittstelle zwischen der Warenwirtschaft, in der die Stornierungen verwaltet werden, und den Affiliate-Plattformen, die den Verkauf registriert haben, ist keine Transparenz darüber gegeben, ob eine Bestellung widerrufen wurde. So kann das Modehaus im Affiliate-System nicht detailliert erkennen, welche Waren tatsächlich gekauft und welche Bestellungen storniert wurden.“

Das haut mich jetzt um. Ist es wirklich die Regel, dass Provisionsstornierungen nicht im begründeten Einzelfall (Kunde hat Ware nicht abgenommen, Kunde hat nicht bezahlt etc.) vorgenommen werden, sondern pauschal mit der Gieskanne alle – auch die seriös arbeitenden – Affiliates über eine errechnete Quote Abzüge bekommen?

Stellt etracker die Situation überspitzt dar, um verängstigten Merchants die eigene Webcontrolling-Software schmackhaft zu machen? Oder ist es tatsächlich die Regel, dass so gearbeitet wird?

Hier würde ich mich über ein paar Statements von Vertretern der großen Partnerprogramme und Netzwerke sehr freuen.

Gerne direkt hier mit der Kommentarfunktion oder auch ausführlicher im Forum…

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9 Comments  comments 

9 Antworten

  1. Das ist kaum vorstellbar – eine Affiliate Provisionsfreigabe ohne Abgleich mit dem Bestell- oder Warenwirtschaftssystem ist m.E. grob fahrlässig. Persönlich kenne ich keines der Systeme die so arbeiten … Das mag vielleicht daran liegen, dass ich im Bereich mit privater Affiliate Software diese immer mit den Systemen der Kunden verbinde und die Freigabe der Provisionen direkt mit der Zahlungserfassung im Auftragssystem erfolgt.

    Viele, gerade größere, Affiliate Programme werden aber extern betreut und der Affiliate Manager bekommt am Ende des Monats einen Ausdruck, bestenfalls eine Excel-Liste der bestätigten Sales und muss diese dann in den jeweiligen Netzwerken freigeben. Diese Bestellnummern dann aber vor Freigabe in 5 verschiedenen Netzwerken auf doppelte Erfassung zu überprüfen, ist manuelle Arbeit und wird sicher oft vernachlässigt.

    Es geht aber auch anders – Ein großer Versand mit Affiliate Programm in Deutschland rechnet so z.b. nicht nach Bestellungen (Auftragsnr.) ab, sondern trägt wie in der Warenwirtschaft die einzelnen Positionen der Bestellung als Sales ins Affiliate Programm ein. Der Vorteil: Affiliates werden auch schon für Teilausführungen von Bestellungen (Lieferung eines Artikels verzögert sich) vergütet, weil die Position einzeln freigegeben werden kann und nicht auf den kompletten Abschluss des Auftrages gewartet werden muss.

    Mein Fazit: Automatisierungen lohnen sich immer – Sie verhindern manuelle Korrekturen und Prüfungsaufwand im Merchant Bereich und ermöglichen, den Affiliate zeitnah über Bestellungen und deren Freigabe zu informieren. Der Implementationsaufwand ist nicht zu unterschätzen, rentiert sich aber nach wenigen Monaten, in denen man die Provisionen nicht mehr per Hand freigeben muss.

    Jan Bischoff, NetSlave

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  2. Hallo,

    das erinnert mich daran, dass gerade letzte Woche ein sehr bekannter Merchant Stornoquoten >50% mit einem neuen Warenwirtschaftssystem begründete und die Begründung lief darauf hinaus, dass die Kunden wegen langer Lieferzeiten stornieren, da man wegen der Umstellung die Bestellungen nicht richtig abarbeiten kann….

    Das schafft Vertrauen, 50% Umsatzeinbussen, weil der Shop die Bestellungen falsch behandelt und nicht zum ausliefern kommt – wem glaube ich jetzt ?
    Dem Merchant oder der Vernunft, dass niemand so d. ist und man mir demnach nicht die wahrheit gesagt und wohl auch nicht korekt ausgewertet hat ?!?

    MfG
    Frank Wolff

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  3. Hmm, mal theoritisiert, weil ich den Fall nicht kenne: Was meinst du, wer sich da mehr ärgert wenn 14 Tage Bestellungen ausfallen? Ich meine, als Affiliate freut man sich doch, dass das Unternehmen die Sache dann so schnell wie möglich hinbiegt und man diesen Stress nicht selbst hatte und weiter bewerben kann – Deswegen wird man ja u.a. Affiliate ;-).

    Dann ist es auch kontraproduktiv, die Manager des Programms während des Ausfalls von der Lösung des Problems abzuhalten – Kommt häufig vor: 100 Affiliates rufen täglich wegen 5€ entgangener Provision an und der Affiliate Manager kommt nicht zur Kommunikation mit der Technik ;-) Der Schaden ist hier wesentlich größer … In solchen Fällen hilft es einfach, abzuwarten. Im stationären Vertrieb (Network, Versicherungen usw.) gibts da wesentlich mehr, worüber man sich ärgern kann… 50% Quote bei einem Totalausfall ist immer noch mehr als 0€ Provision.

    Jan Bischoff

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  4. avatar CBS

    Zu den Fragen von Karsten: Jedes, wirklich jedes meiner Meinung nach relevante Affiliate-Netzwerk bietet Merchants Schnittstelllen zum Abgleich mit der Warenwirtschaft an und das wird natürlich meistens auch genutzt. Dennoch gibt es sicher Ausnahmen, wo entweder pauschal oder gar nicht storniert wird – gerade letzteres öfter als man denkt. Auch ist es gerade bei von Agenturen betreuten Partnerprogrammen meiner Erfahrung nach die Regel, dass die Mehrfachvergütung über sogenannte Gegencookies verhindert wird, was allerdings andere Nachteile mit sich bringen kann.

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  5. avatar Hitflip Merchant Blog » Blog Archiv » Merchants müssen sich selbst gegen Affiliate Hopping schützen

    […] Ich wollte mich noch mal zu der von Karsten aufgebrachten Thematik des Affiliate Hopping äußern. Zunächst einmal finde ich den Begriff Affiliate Hopping für das Problem nicht ganz passend aber da ich keinen passenden Gegenvorschlag habe muss ich da wohl kuschen. Es geht um ein Problem, was Merchants bekommen können, die ihr Partnerprogramm über mehrere Netzwerke hinweg betreiben. Ein Affiliate könnte sich bspw. bei zwei oder mehr Netzwerken bei dem gleichen Partnerprogramm anmelden und die entsprechenden Cookies einsetzen und wenn er dann Leads generiert, werden die ihm bei beiden Netzwerken gutgeschrieben. Wenn ich Karsten richtig verstehe ist seine Position, daß die Netzwerke hier regulierend eingreifen und diese Art von Betrug verhindern müssen. Meine Meinung ist, daß das Verantwortung des Merchants ist!!! Wenn ich mein System nicht sicher genug mache, daß es solche Art von Betrug verhindert, dann bin ich auch selbst dran schuld, wenn ich über den Tisch gezogen werden. Es kann aber auch nicht schaden, wenn die Partnerprogrammbetreiber und Netzwerke deutlich in Ihre AGB reinschreiben, daß dieses Verhalten unerwünscht ist und im Falle einer Entdeckung verfolgt wird. Bei uns gibt es nicht wenige Affiliates – gerade unter den profesionelleren – die sich sowohl bei Zanox als auch bei Affili.net anmelden. Warum? Keine Ahnung! Zumindest noch nicht aber wir werden auf diesem Wege sicher nicht ausgetrickst. Musste einfach mal meine zwei Eurocent zum Thema loswerden. […]

  6. Die Darstellung von eTracker ist eindeutig überspitzt, und stellt in keinem professionell gemanagten Affiliateprogramm ein Problem dar.

    Wir bereinigen Doppeltrackings über verschiedene Netzwerke bei allen von uns gemanagten Programmen, und vergüten jede Bestellung nur einmal. Bis auf wenige Einzelfälle in der Vergangenheit werden Stornos außerdem immer auf Basis der einzelnen Order eingepflegt, d.h. auch dabei werden nicht alle Partner über einen Kamm geschoren.

    Voraussetzung ist natürlich, daß es eine funktionierende Schnittstelle zwischen dem Reporting der Affiliate-Netzwerke und der Warenwirtschaft des Merchants gibt. Dieses Problem löst auch eTracker nicht, und die reinen Doppeltrackings lassen sich problemlos ohne eine solche Schnittstelle ausfiltern.

    Fazit: Interessanter Hinweis auf theoretische Probleme, in der Praxis spielt das keine Rolle (mehr).

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  7. avatar Sebastian

    Ich kann hier nur Ralf zustimmen. Neue Merchants kann es hier sicherlich erwischen, jedoch alte Hasen haben das im Griff.

    Was eher zu erwaehnen waere ist Betrug beim Inhouse affiliate Programm. Ich denke dort ist der Betrug weitaus hoeher, denn Inhouse Netzwerke haben oft nicht die Sicherheit u. Professionalitaet wie Affiliate Netzwerke. Letztendlich spart man jedoch die 30% Provision fuer das Netzwerk und dann ist das auch wieder egal.

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  8. avatar e-commerce-blog.de: News, Trends und Informationen aus E-Commerce, Online Marketing und Online Verkaufsförderung - Klickbetrug

    […] Ein mögliches Mittel gegen die Phantomklicks wäre, Provisionen nur noch abzurechnen, wenn der Surfer auch tatsächlich beim werbenden Unternehmen etwas bestellt. Doch solche Pay-per-Sale-Modelle haben ebenfalls Grenzen. […]

  9. Affiliate Hopping – Eine Transaktion, mehrfach provisioniert!…

    Noch so eine glänzende Idee. Beim Affiliate Hopping – ich finde Commission Farming irgendwie treffender – wird versucht für eine Transaktion von mehreren Affiliate Netzwerken Provision zu kassieren. Den Schaden hat der Betreiber des Partnerprogramms….

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