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Kommentar zu SPIEGEL und FOCUS: Partnerprogramme, Zensursula & Amazon

Es regt mich total auf, wenn Redakteure der Mainstream-Presse irgend ein Thema aufgreifen, von dem sie keine Ahnung haben.

Hier zwei Beispiele aus den letzten Tagen:

Gefunden auf SPIEGEL ONLINE am 26.05.09 (siehe dort Seite 2 von 3):

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Zitat 1: Frage an Ursula von der Leyen zur geplanten Sperrung von Internetseiten

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit sogenannten Affiliate-Vermarktern: Die sammeln Werbung und spielen sie auf Tausende von Webseiten. Man hat keinerlei Einfluss darauf, was darin landet. Was, wenn man so scheinbar zum Betreiber einer Kinderpornoseite wird?

Von der Leyen: Eigentlich müsste den Seitenbetreibern die Stopp-Seite dann doch willkommen sein. Es kann doch nicht in ihrem Interesse sein, dass unter ihrem Label die Vergewaltigung von Kindern gezeigt wird. Die Sperrung ist eher hilfreich für sie. Sollte so etwas als Teaser laufen, wäre es für die Seitenbetreiber wichtig, dass das geblockt wird. Und durch die Reaktion des BKA würden sie, wenn es um einen Server hier in Deutschland geht, automatisch eine Anfrage darüber kriegen.

Mein Kommentar: Ah okay, sogenannte Affiliate-Vermarkter „sammeln Werbung und spielen sie auf tausende von Webseiten“. Wer so etwas einem Politiker erzählt hat, der sicherlich mit dem Internet wenig eigene Erfahrungen hat, braucht sich nicht zu wundern, dass Politiker-Kollegen dann in der Kinderfragestunde nicht wissen, was ein Browser ist (Brigitte Zypries: „Browser – was sind denn jetzt noch einmal Browser?„).
Genau – „Man hat keinerlei Einfluss darauf, was darin landet.“ Ich schließe mich also einem „sogenannten Affiliate-Vermarkter“ an und muss dann damit rechnen, dass auf meiner Website Banner zum Thema Kinderpornografie erscheinen. Aja. Die Betreiber der Kinderpornoseiten haben wohl zu wenig Zulauf und haben nun Partnerprogramme gestartet, um Besucher auf ihre Drecksseiten zu locken. Ich stelle mir das so vor: „Wenn einer deiner Besucher den KiPo-Newsletter bestellt, kannst du 2,00 Euro verdienen. Bis zu 500,00 Euro pro Sale, wenn du ein Jahresabo verkaufst“. Kommt bestimmt bald, wenn es nach Zensursulas Phantasie geht.
Der Zensursula kann man angesichts dieser dummen Steilvorlage des Spiegelredakteurs für ihre Antwort nicht einmal böse sein. Der durchschnittliche Leser hat ohnehin keine Ahnung von Affiliate-Marketing und glaubt diesen Quatsch…

Zitat 2: Der SPIEGEL legt noch einmal nach

SPIEGEL ONLINE: Herr XYZ, der in seiner privaten Zeit bloggt und die Seite über einen Affiliate-Vermarkter refinanziert, hätte immer noch ein Problem, denn das Netz vergisst nichts. Wenn man einmal im Ruch steht, in dieser Szene tätig zu sein…

Von der Leyen: Ich glaube, diese Diskussion wäre dann auch längst hochdominant in den Ländern, die seit Jahren mit Erfolg Kinderpornografie sperren und die sich erheblich wundern, was wir hier für hypothetische Debatten führen über potentielle Fälle, die bei ihnen in der Wirklichkeit nie stattgefunden haben. Das Beschämende für Deutschland ist, dass andere Länder diese Diskussion mit uns zeitgleich geführt haben. Und zwar europäische Länder, mit denen wir uns gerne vergleichen. Nur wir diskutieren darüber, was alles nicht geht. Wir sollten darüber diskutieren, wie wir konsequent die Kompetenz, die im Netz da ist, nutzen können, um diesen Kampf gegen Kinderpornografie zu führen. Wir haben viele Anfragen, warum Deutschland sich immer noch schwer tut auf diesem Gebiet und nicht aktiv ist beim Access Blockings.

Mein Kommentar: Also dieser arme Hund von Blogger hat nun KiPo-Werbebanner auf seiner Website, weil er sich ja dummerweise einem Affiliate-Vermarkter angeschlossen hat. Kein Kommentar… Daraufhin läuft Zensursula wieder zu Hochform auf. Damit es nicht falsch verstanden wird – ich bin gegen jegliche Zensur von Internetseiten und unterstütze die Petition (schon 111.638 Unterzeichner!). Ich kritisiere hier den SPIEGEL als Steigbügelhalter für Frau von der Leyen.

Gefunden auf FOCUS ONLINE am 04.06.09:

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Zitat 1:

Amazon ist in die Kritik geraten, weil eine Internetseite der rechtsextremen NPD in seinem Partnerprogramm auftaucht. Darin verknüpfen die Partner ihre Seiten im Netz mit dem Online-Versandhaus und können mitverdienen, wenn ihre Nutzer dort einkaufen.

Mein Kommentar: Eine „Internetseite der rechtsextremen NPD“ taucht überhaupt nicht im Partnerprogramm von Amazon auf. Liebe FOCUS-Online-Redakteurin Sandra Tjong „stj“ – ein Websitebetreiber meldet sich zu einem Partnerprogramm an und taucht nicht in einem Partnerprogramm auf. Man könnte vielleicht formulieren, dass Amazon auf der NPD-Website auftaucht und dies dann kritisieren. Bitte etwas besser recherchieren oder einen Kollegen des Ressorts „Digital“ zu Rate ziehen.

Zitat 2:

Der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD), rief im „Tagesspiegel“ vom Freitag dazu auf, Amazon zu boykottieren, sollte das Handelshaus die Partnerschaft nicht beenden. Auch Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) sagte, sollte Amazon die Geschäftsbeziehung „nicht auf der Stelle beenden“, werde sie „alle Demokraten aufrufen, dort nicht mehr zu kaufen“. Ähnlich äußerten sich Landespolitiker von Grünen, FDP und CDU.

Der Brandenburger Verfassungsschutz hatte Verknüpfungen zu Amazon auf der Seite Nationales Netztagebuch der NPD entdeckt. Damit werden Soldatenlieder-CDs und rechtsgerichtete Bücher beworben. Ein Amazon-Sprecher sagte laut „Tagesspiegel“: „Wir prüfen derzeit die Einhaltung der Teilnahmebedingungen unseres Partnerprogramms durch die Website und werden nach Abschluss der Prüfung adäquate Maßnahmen treffen.“

Mein Kommentar: Dann rufe ich jetzt am Vorabend der Europawahl dazu auf, keine der hier genannten Parteien zu unterstützen.
Ich zitiere die Badische Zeitung und bitte jeden, sich seine eigene Meinung zu bilden: „Unterdessen löste der baden-württembergsiche Innenminister Heribert Rech (CDU) mit einer Äußerung über den Verfassungsschutz Protest bei der SPD aus. Bei einer CDU-Veranstaltung im Kreis Calw hatte Rech laut dem Schwarzwälder Boten gesagt: „Wenn ich alle meine verdeckten Ermittler aus den NPD-Gremien abziehen würde, dann würde die NPD in sich zusammenfallen.“ Der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Braun sieht Rech nun unter „erheblichem Erklärungszwang“.“
Wir gehen morgen wählen. Sicherlich nicht rechts, aber ganz sicher auch keine etablierte Partei.

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6 Comments  comments 

6 Antworten

  1. avatar David

    Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll. Von Politikern erwartet man, dass sie größtenteils keine Ahnung haben, ist zwar frustrierend, jedoch verständlich. Ich bin mir sicher, manche arbeiten immer noch mit ABAKUS (ich meine jetzt nicht Alan Webb ;-) ). Was jedoch die Journalisten betrifft, da fehlen mir einfach die politisch korrekten Worte…

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  2. Hallo Karsten,

    nun ja das ist gerade doch schon harter Tobac. Ich stimme dir zu, ich bin selber gegen Zensur im Internet. Das hat bis dato nie was gebracht.

    Ich verstehe zudem nicht, wie sich Politiker über Sachverhalte unterhalten können, von dem sie keine Ahnung haben. Dass die Aussagen vorher der Guten Frau „von den Laien“ zugesteckt wurden, ist eindeutig. Es ist gang und Gäbe dass Interviewfragen vorher dem Interviewpartner vorgelegt werden. Aber dann würde ich wenigstens adäquate Antworten herholen. Wir wissen ja wo es endet, wenn eine Zeitschrift sich auf „Expertenmeinung“ im Affiliate Bereich beruft, und diese unkontrolliert aus dem Print- in die Online Ausgabe stellt *smile*

    Es zeugt nicht nur von Inkompetenz sondern auch von einer gewissen reißerischen Ignoranz gegenüber einer Branche, ohne die die Wirschaftssituation noch besch… wäre als es jetzt schon ist.

    Oder warum habe ich das Gefühl, dass hier jemand mal von AM gelesen hat, seine/ihre Meinung gebildet hat und diese vorgefertigt Frau „von den Laien“ in den Mund geschoben hat?

    Genauso verhält es sich mit Amazon. Als amazon die Peinlichkeit unterlaufen ist „pc-vernetzen“ und „sachbuch“ falsch zu interpretieren, hat jeder nur gelächelt.
    Und nun tauchen ein paar Idioten auf und melden sich für ein Partnerprogramm an und schon schreit die ganze Nationsvertretung?

    Haben wir es denn eigentlich immer noch nötig? Müssen wir immer noch es so hervorheben dass Deutschland früher unter einem Naziregime stand? Ist das das einzige was die Herrschaften aus dem Sessel hebt?

    Schade eigentlich…

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  3. avatar Markus

    Die Amazon-Geschichte is ja wirklich lustig. Da schafft man es nicht, eine Neonazi-Partei zu verbieten (nicht, dass das irgendwas bringen würde), weil sie scheinbar überwiegend aus V-Männern besteht, wenn die dann aber Amazon-Werbung schalten, winkt man Amazon gleich mit dem Zaunpfahl. Aber ich denke mal, Amazon reagiert mit der angemessenen Gleichgültigkeit ;)

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  4. avatar Markus

    Ach ja, bei der Gelegenheit vielleicht auch ein Beispiel, wie ein besser recherchierter Artikel zum Thema KiPo-Sperren aussehen kann:
    http://www.heise.de/ct/Die-Argumente-fuer-Kinderporno-Sperren-laufen-ins-Leere–/artikel/135867

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  5. Amazon ist tatsächlich eingeknickt: http://www.boersenblatt.net/324522/

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  6. Infos zur o.g. Petition finden sich auch unter http://www.zeichne-mit.de/

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