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Adblock Plus: Mafiöse Strukturen oder großes Missverständnis @ABP?

Puh, wo soll man da anfangen? Letzte Woche Mittwoch erschien auf mobilegeeks.de ein Artikel mit dem recht provokanten Titel „Adblock Plus Undercover – Einblicke in ein mafioeses Werbenetzwerk“, in welchem Redakteur Sascha Pallenberg den Betreibern des beliebten und weit verbreiteten Browser-Addons vorwirft, die Software dazu zu nutzen, eigenen „strategischen Partnern“ einen unfairen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Gleichzeitig soll so eine Möglichkeit entstanden sein, Website-Betreiber zu „erpressen“ – wie das in Praxis geschehen soll, haben Pallenberg und Kollegen in mehreren Wochen mühsamer Kleinarbeit recherchiert und einem – selbst für MEINE Verhältnisse langen – Artikel zusammengefasst.

Dass dieser, bei der gewaltigen Zahl von Adblock Plus Usern, in relativ kurzer Zeit zum klassischen Shitstorm ausartete (@ABP), war (Reddit sei Dank) nicht wirklich verwunderlich. Doch was ist tatsächlich dran an den Vorwürfen?

Was steckt hinter den Vorwürfen gegen Adblock Plus? (Bildquelle: mobilegeeks.de)

Wer keine Zeit und/oder Lust hat, sich die diversen Artikel, Stellungnahmen und Pressemeldungen selbst zu Gemüte zu führen, für den werde ich versuchen, die ganze Story in verdaubare Häppchen zu zerlegen und dabei den ad personam-Ballast wegzulassen.

Worum geht´s hier?

Adblock Plus ist das bisher erfolgreichste Addon für Firefox und wurde weltweit über 200 Millionen mal runtergeladen, über 15 Millionen Leute nutzen das Programm mindestens einmal täglich. Das Programm blockiert Werbeanzeigen, Banner oder Werbeclips auf Videoseiten, so dass User völlig werbefrei das Internet genießen können. So weit, so gut. Doch was, wenn das nur ein Vorwand ist? Ein Vorwand, um hinter verschlossenen Türen die gewaltigen Userzahlen zu völlig anderen Zwecken zu missbrauchen? Genau diesen Vorwurf erhebt Sascha Pallenberg in seinem Artikel und unterfüttert diesen mit einigen sehr interessanten Recherchen, die ein ziemlich hässliches Bild von Adblock Plus, der Betreiberfirma Eyeo GmbH und den beteiligten Personen zeichnen.

Adblock Plus hat seit 2011 ein Feature namens „Acceptable Ads„, welches dafür sorgt, dass von der Adblock-Community als „unaufdringlich/akzeptabel“ eingestufte Ads automatisch auf die Whitelist des Programms gesetzt werden. Diese werden dann also trotz eingeschaltetem Adblocker angezeigt, weil „akzeptabel“. Entsprechende Ads sollen dann quasi als gutes Beispiel für andere Werbetreibende dienen, die ihre Werbung nach Wunsch der Eyeo so gestalten sollen, dass auch sie auf die Whitelist aufgenommen werden können.

Soweit die (schöne) Theorie. Glaubt man Sascha Pallenberg´s Artikel, sieht die Realität leider DEUTLICH anders aus.

Gekaufte Plätze auf der Whitelist

Nach dem Erscheinen von Pallenbergs Artikel, sah sich Eyeo Geschäftsführer und „Hauptbeschuldigter“, Till Faida, öffensichtlich genötigt, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu entkräftigen und gab in der Thurgauer Zeitung ein Interview dazu. In diesem gab er auf die Frage, ob man sich auf auf diese Whitelist einkaufen könnte, folgende Antwort: „Nein – von einigen strategischen Partnern einmal abgesehen, die darum gebeten haben, nicht genannt zu werden. „

Moment mal! Wie bitte? Man kann sich auf diese Liste einkaufen? Was ist denn aus der Community geworden? Auch wenn sich anscheinend nicht „jeder Werbetreibende“ auf die Liste setzen lassen kann, so bleiben doch die „strategischen Partner“. Wer sind diese und wie genau läuft das Geschäft ab? Genau dieser Frage ist Pallenberg nachgegangen und dabei auf eine illustre Runde von Herren getroffen, die aus gutem Grund nicht genannt werden möchten.

Der wohl wichtigste dieser Partner dürfte das Netzwerk YieldKit sein. Wer ein Script von YieldKit in seine Seite einbaut, dem werden in seinen Texten „ertragsoptimierte“ Affiliate-Links völlig automatisch platziert, die dann zu entsprechenden Produkten verlinken – den meisten Lesern hier dürfte die Technik bekannt sein. YieldKit-Links befinden sich, oh Wunder, auf der Whitelist von Adblock Plus, wie sie dahin gekommen sind, ist allerdings unklar. Bedenkt man den Anspruch von Till Faida, Werbung im Netz „besser und weniger aufdringlich“ gestalten zu wollen, fragt man sich doch, wie sich das mit Keywordtexten, in denen jedes dritte Wort ein Affiliate-Link ist, verträgt.

Umgewandelte Links und Amazon-Abzocke

Eine anderen „Service“ in YieldKits Portfolio ist die automatische Link-Umwandlung, bei der bereits bestehende Affiliate-Links von YieldKit in eigene umgeschrieben werden, um dem Website-Betreiber ein „besseres Angebot“ zu machen. Wenn man 30% Provision gut findet…..

Die selbe Umwandlungstechnik kommt auch bei Adblock Plus´ Typo-Korrektur zum Einsatz, die anscheinend auch Amazon-Links mit der eigenen ID versieht, wobei eventuelle Session-Cookies von regulären Publishern überschrieben werden. Damit dieser Artikel nicht ausartet, empfehle ich jedem, die Details dazu im zweiten Artikel von Pallenbergs Recherche nachzulesen „Adblock Plus Reloaded“.

Fazit – oder so ähnlich

Selbst dieser, mittlerweile zu lange, Artikel kratzt nur an der Oberfläche dessen, was Pallenberg und Kollegen in den letzten Tagen und Wochen zu Tage gefördert haben. Abgesehen von einer Bloßstellung der dubiosen Machenschaften von Till Faida und Konsorten, wirft der Artikel aber erneut die Frage auf, die sich eigentlich ALLE Werbetreibenden stellen sollten:

Wieso laden sich über 200 Millionen Leute einen Adblocker herunter? Und wieso schalten nur weniger als 5% aller Nutzer diese Adblocker auf Bitte hin aus?

So skandalös derartige Methoden sind, so sind sie nur ein Symptom der eigentlichen Krankheit. Niemand könnte mit einem Adblocker Geld verdienen, wenn Leute diesen nicht in Massen nutzen würden. Und Leute tun dies, weil in den letzten Jahren viele „Werbefritzen“ der Meinung waren, alles, aber auch wirklich ALLES „monetarisieren“ zu müssen. Besonders gerne den Content anderer, den diese Leute eigentlich für Freunde oder einfach den Rest Welt erstellt hatten (hallo Youtube, Facebook, Twitter, ich meine euch) und ganz besonders auf nervige, invasive Art, die auch dem hartnäckigsten Nerd wie mir gehörig die Laune verdorben hat.

Um es klarzustellen: ich halte die Geschäftsmethoden der Adblock Plus-Betreiber und deren Partner für absolut inakzeptabel. Allerdings begehe ich nicht den Fehler, dabei das eigentliche Problem aus den Augen zu verlieren: Um mich einmal selbst aus einem Artikel vom 25. Februar diesen Jahres zu zitieren: „Wie bei jeder Entwicklung, schlägt das Pendel irgendwann in die entgegengesetzte Richtung um, häufig stärker, als es zuvor in die ursprüngliche Richtung unterwegs war.

Auf Werbung bezogen bedeutet das: nimmt sie im alltäglichen Leben weiterhin zu, wird irgendwann der Punkt der Sättigung erreicht sein. Verbraucher werden Werbung nicht mehr wahrnehmen oder sich sogar aktiv dagegen wehren. Das wohl bekannteste (und von Affiliates gefürchtete) Beispiel dürfte dabei wohl das kleine Browser-Addon “AdBlock Plus” sein, dass bei vielen Nutzern (inkl. mir) seit Jahren für werbefreie Bildschirme sorgt.

In Deutschland haben bereits über 16% aller Internetnutzer das Addon installiert und auch die Zahl der Smartphone-User, die sich nicht ständig von Werbung unterbrechen lassen wollen, steigt weiter an. Wenn diese Entwicklung anhält, müssen einige Leute deutlich umdenken.“

Auch wenn ich in Zukunft einen anderen Adblocker benutzen werde, ändert das nichts an der obigen Aussage. Denken Sie mal drüber nach.

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7 Comments  comments 

7 Antworten

  1. Hi,

    ich bin der Gründer von YieldKit und möchte gerne den Artikel kommentieren:

    Die Beschreibung von YieldLink ist leider nicht korrekt und auch hier http://blog.100partnerprogramme.de/2011/02/10/praxistest-loved-by-pro-provisionen-verdienen-ohne-affiliate-links/ ausführlich beschrieben. Es sind 25% Provision für YieldKit und per Default schreiben wir keine bestehenden Affiliate-Links um. Im Gegenteil es geht doch um das Umschreiben von Links in Affiliate Links. Das Umschreiben bestehender Affiliate Links muss vom Publisher aktiviert werden und dient vor allem den Foren/Communities dazu, die von Besuchern geposteten Affiliate Links zu ihren Gunsten umzuschreiben. Aber viel wichtiger finde ich die Falschaussage, dass Adblock Plus bestehende Affiliate Links blockiert und diese dann durch YieldKit wieder freizuschalten wären. Adblock Plus blockiert keine durch den Publisher gesetzten Affiliate Links! Wir decken die Links ab, die der Publisher nicht durch eigene Partnerschaften abdeckt.

    Bei YieldWord kann die Dichte der Keywords vom Publisher eingestellt werden (also nicht alle drei Wörter). Wieviele Keywords erscheinen, hängt also vom Publisher ab.

    Die Aussage über die besseren Konditionen im WordPress-Plugin beziehen sich auf die höheren Provisionssätze, die wir aufgrund des Gesamtvolumens der Provisionen aller Publisher erhalten. Diese geben wir natürlich auch an die Publisher weiter. Das Plugin sowie das Readme.txt stammen zudem vom 23.10.2012 also ein halbes Jahr bevor YieldKit zu den „Acceptable Ads“ gehört. Das Prinzip der Provisionsstaffelung ist nichts Neues.

    Robert Walker hatte am 29.4. den Blogbeitrag über die „Acceptable Ads“ gepostet ohne das dieser genehmigt war. Der Artikel wurde noch am gleichen Tag wieder entfernt.

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  2. avatar Martin

    Guten Tag Herr Krohne,

    wie Ihnen vielleicht aufgefallen sein dürfte, habe ich alle Zahlen oder „Behauptungen“ aus den in meinem Text verlinkten Quellen. Nichts von dem oben geschriebenen stammt letztendlich von mir, abgesehen vom Fazit. Ich denke auch, dass ich an mehr als einer Stelle („glaubt man Pallenbergs Artikel“; „angeblich“; „ein hässliches Bild zeichnen“) deutlich gemacht habe, dass ich die Vorwürfe weder bestätigen, noch entkräften kann (oder will). Daher bin ich für Ihre Kritik leider der falsche Adressat. (Dass „jedes dritte Wort“ nicht wörtlich zu nehmen ist, sollte eigentlich jedem klar sein.)

    Die bloße Tatsache, dass sich „strategische Partner“, von denen YieldKit ja mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einer ist, auf die Whitelist kaufen können/konnten, hoch inakzeptabel/dubios zu finden, ist wohl mein gutes Recht.

    Trotzdem schön, dass Sie sich persönlich die Zeit genommen haben, Ihre Sicht der Dinge darzustellen. Für eventuelle Fehler entschuldige ich mich, die sind aber wie gesagt der Recherche von Herrn Pallenberg geschuldet, den Sie und andere Leute ja bereits AUSFÜHRLICH darauf hingewiesen haben.

    mfG,
    Martin Bahls

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  3. Ich sprach gerade mit Sascha Pallenberg, er sagte mir gegenüber: „Mein Artikel vom vergangenen Montag (http://www.mobilegeeks.de/adblock-plus-adblockgate-werbenetzwerk/) hat nicht nur alle Anschuldigungen von Till Faida und Oliver Krohne vom Tisch gewischt, er hat einen weiteren Einblick in die Vetternwirtschaft der Adblock Plus Blase gegeben. Ich sehe nicht ein, dass hier einfach dreist eine ganze Branche angelogen wird und das auf dem Rücken von leichtgläubigen Usern. Wir werden am nächsten Montag in einem weiteren Beitrag für Aufklärung sorgen.“

    Irgendwie fühle ich mich gerade an 2006 erinnert, also wir bereits über Ben Edelmans Aufklärungsarbeit in Sachen AdWare berichtet hatten (http://affiliate-interviews.100partnerprogramme.de/2006/08/10/interview-jeff-molander-und-ben-edelman-zu-adware-und-180solutions/)

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  4. Die Schuldenkrise beschert uns schrumpfende Märkte. Wir Website-Betreiber haben uns gefallen lassen, dass wir für geschaltete Werbung nur bezahlt werden, wenn die Besucher nach dem Klick auf das Banner auch etwas online kaufen. Die Folge ist, dass wir immer mehr Werbung schalten müssen für immer weniger Ertrag.

    Dazu kommt, dass es Tricks gbit, um Provisionen nicht auszahlen zu müssen. Zum Beispiel, indem man in der Launchphase Interessenten auf eine Warteliste umleitet und dann später anschreibt. Diese Kunden wurden dann nicht verprovisioniert. So geschehen bei einem DSL-Anbieter. Was auch sehr häufig passiert: Besucher sehen das Banner und bestellen dann telefonisch. Auch hier geht der Publisher leer aus.

    Ich verkaufe die Werbung auf meiner Website hauptsächlich zum Festpreis. Verlinkte Bilder ohne Affiliatelink und als Werbung gekennzeichnete Artikel werden von keinem Adblocker entfernt.

    Wenn die Märkte weiter schrumpfen ist die Frage, ob eine Werbefinanzierung von redaktionellen Inhalten überhaupt noch funktioniert. Ich denke derzeit über eine Kombination aus Crowdfunding und Paywwall nach.

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  5. avatar Martin

    Hallo Heiner,

    das Problem mit der Paywall ist ja anscheinend, dass niemand zahlen will. Die Versuche von BILD sind ja ziemlich gescheitert und auch erste Anläufe in USA von WSJ oder NYT sehen nicht sehr vielversprechend aus.

    Ich persönlich sitze da auch echt zwischen den Stühlen, da ich einerseits nervige Werbung wie die Pest hasse, andererseits selbst genau solchen mehr oder weniger werbefinanzierten Content produziere.

    Was ich jetzt desöfteren in Kommentaren zu den Artikeln gelesen habe, ist folgendes: Wenn Adblocker (egal welche) ein Gutes geschafft haben, dann, dass sich mehr Leute Gedanken über Werbung machen: User denken darüber nach, dass andere Leute irgendwovon leben müssen und Webmaster denken daran, dass User evtl. nicht auf Schritt und Tritt belästigt werden wollen.

    Wenn sich aus dieser ganzen Geschichte ergibt, dass alle ein wenig ihre eigenen Ansprüche zurückstellen und man sich irgendwo in der Mitte trifft, hat sich der ganze Stress sehr gelohnt

    Gruß,
    Martin

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  6. avatar Martin

    Nachtrag: grade in einem Kommentar bei mobilegeeks gefunden:

    http://www.youtube.com/watch?v=I8WpVaSR9Uk#at=1883

    sehr interessant, besonder ab minute 24, einfach mal hören, wie die dame vom spiegel das ganze nennt….

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  7. Hallo Martin,
    dass paywalls scheitern, liegt vielleicht auch am Inhalt. Für Bild zahle ich auch nicht so gerne. Es gibt Beispiele für redaktionelle Angebote im Netz, die sich komplett mit Spenden finanzieren. Ich gebe Dir Recht, wir können nicht von heute auf morgen alles auf Paywalls umstellen. Die Taz macht es meiner Meinung nach sehr geschickt: Man kann die Aufforderung zum Zahlen auch einfach wegklicken. Bisher habe ich das gemacht, aber ich weiss genau, dass ich irgendwann zahlen werde.

    Mir schwebt so eine Mischung vor: Ein paar Affiliate-Banner und einige zum Festpreis verkaufte Werbeflächen. Die Meldungen, die eher aktuellen Charakter haben werden gratis veröffentlich und aufwändig recherchierte Hintergrundberichte als Videos oder Artikel hinter einer Paywall. Für eine Auswahl aus letzteren käme auch Crowdfunding in Frage. Die Frage ist immer: habe ich die Story, die die Leser wirklich lesen oder sehen wollen oder versuche ich es den Werbetreibenden Recht zu machen?

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