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Zerbricht die Affiliate-Gemeinde am Fraud?

Mal ehrlich, die Affiliate-Branche ist schon ein besonderer Haufen. Es wird „genetzwerkt“, was das Zeug hält. Man „verxingt“ sich, „liked“ sich und trifft sich zum Stammtisch. Man schimpft über die Netzwerke, misstraut den Publishern und beschwert sich über die Merchants. Kurz: man liebt sich oder man hasst sich. Hauptsache man gehört dazu.
Es könnte alles so schön sein, wenn da nicht… ja wenn da nicht der Fraud wäre. Er ist der ultimative Störenfried und kommt in den verschiedensten Erscheinungsformen daher. Mal mehr mal weniger schwarz aber eben immer ein wenig verrucht und undurchsichtig. Da gibt es Brandbidder, AdHijacker, Cookie Dropper, Betreiber von Adware oder Toolbars und, und, und. Wenn er auch viel Scherereien und Ärger verursacht, dient er einem doch auf jeden Fall. Man hat ein gemeinsames Feindbild, auf welches man sich einschwören kann.

In der Szene kursiert ein E-Book, welches vorgibt, rein informativen Charakter zu haben. Lieder werden dort Fraud-Techniken beschrieben, die 1:1 angewandt werden können und den Marktteilnehmern großen Schaden zufügen können.

In der Szene kursiert ein E-Book, welches vorgibt, rein informativen Charakter zu haben. Leider werden dort Fraud-Techniken beschrieben, die 1:1 angewandt werden können und den Marktteilnehmern großen Schaden zufügen können.

Frei nach dem Motto „Unser Dorf soll schöner werden!“ beteuern alle Seiten, wie wichtig es wäre, die Branche sauber zu halten und von Unrat möglichst zu befreien. Diesbezüglich herrscht einhellige Zustimmung. Da sind natürlich die geschädigten Merchants, die ein berechtigtes Interesse daran haben, dass schwarze Schafe identifiziert und entfernt werden. Genauso die vielen ehrlich arbeitenden Publisher, denen im Zweifelsfall die Provision abgegaunert wird. Aber auch die Netzwerke und Agenturen werden nicht müde, sich ein blütenreines Affiliate Marketing herbeizuwünschen. Und das Thema ist nicht neu. So wie heute in einschlägigen Foren über den Umgang mit Fraud diskutiert wird, stand man auch schon vor Jahren vor dieser Problematik.

Aber die Lage ist komplizierter, als man denkt.

Toll wäre sicherlich eine schwarze Liste aller falschspielenden Publisher. Gibt es einen Verdachtsmoment gegenüber einem Publisher im Partnerprogramm oder bei einer Publisher-Bewerbung , könnte ein Abgleich mit der Liste eventuell größeren Schaden abwenden. Doch diese Liste gibt es nicht und darf es wohl auch nicht geben. Auch schwarze Schafe haben Persönlichkeitsrechte, die gewahrt werden müssen. Wäre auch zu schön gewesen, die Übeltäter öffentlich benennen zu können und dem Spuk damit ein Ende zu bereiten. So bleibt das Problem allem Anschein nach ungelöst.

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Ein Informant schickte diese Liste von betrügerischen Affiliates an die 100pp-Redaktion und teilte mit: „Die Seiten sind von … [Anm. d. Red.: großes deutsches Affiliate-Netzwerk] auch bestätigt worden, dass da Fraud vorliegt. Viel Traffic in kurzer Zeit nach der Anmeldung. Kaum Google Rankings und Banner auf dem eigenen Webserver gehostet.“. Leider gibt es keine rechtliche Grundlage, eine schwarze Liste Liste zu veröffentlichen und andere Marktteilnehmer zu warnen.

Aber Moment mal: um so eine Liste zu verfassen und zu aktualisieren, muss irgendjemandem ein Fraud aufgefallen sein. Einer Agentur, einem Netzwerk, einem Inhouse-Affliate-Manager beim Merchant. Was passiert mit dieser Erkenntnis? Ganz logisch: Der Inhouse-Manager schmeißt den Publisher aus dem eigenen Programm und streicht die Provisionen. Die Agentur bereinigt alle in ihrer Obhut befindlichen Programme vom Sünder. Und das Netzwerk verweist den Falschspieler komplett von seinem Marktplatz. Licht aus! Ganz einfach. Eine Komplettreinigung. Sicher, der kriminell veranlagte Affiliate kann mit anderer Identität immer wieder zurückkehren. Aber einmal wiederentdeckt, beginnt die Bekämpfung aufs Neue. Klingt logisch, ist aber NICHT so.

So viel zur Theorie. Solange jedoch mindestens einer mitverdient, ist der Interessenkonflikt doch unausweichlich. Eine erfolgsabhängige Bezahlung setzt ja den vorangegangenen Erfolg voraus. Schmälert man diesen Erfolg beispielsweise mit der Sanktionierung des Betrügers durch Aberkennung der getätigten Sales und verhindert mit seiner Entfernung neue Sales, wird natürlich auch die eigene Position durchaus geschwächt.

Was passiert denn, wenn die Agentur den gut produzierenden Publisher – und das ist er ja wohl, denn ohne Gewinnaussicht würde er sicherlich keinen Fraud betreiben – aus all den zu betreuenden Programmen herausnimmt. Richtig, die Zahlen würden merklich einbrechen, von den Einkünften ganz zu schweigen.

Ähnlich stellt es sich doch für ein Netzwerk dar. Kaum auszudenken, auf all die generierten Sales zu verzichten. So werden Hinweise zum Beispiel auf AdHijacker, einschließlich Beweisen, dankbar entgegengenommen. Das war es dann aber auch schon. Der Publisher bleibt im Netzwerk und ist mit einem super Ranking eine Augenweide für jeden neuen Merchant.
Bei gezielter Nachfrage zu dem einen oder anderen auffälligen Partner erhält man allen Ernstes die Auskunft darüber, in welcher Ecke dieser einzuordnen ist bzw. mit welchen schrägen Praktiken er schon in Verbindung gebracht wurde. Wenn man doch darum weiß, was hat er dann noch im Netzwerk zu suchen?

Und auch der Affiliate Manager direkt im Hause des Merchants hat im Zweifelsfall gar kein Interesse daran, den Betrüger aus dem Programm zu nehmen. Auch hier müssen am Quartalsende die Zahlen stimmen und eingebüßter Umsatz erst einmal wieder ausgeglichen werden.

Fraud-Bekämpfung ist also ein zweischneidiges Schwert. Solange ein Fraud-Betreiber darauf bauen kann, dass eines der Glieder in der ganzen Kette sowieso zum „Komplizen“ wird, solange werden die Merchants immer die sein, die hinterherrennen und retten, was zu retten ist. Und die ehrlichen Publisher werden zuschauen müssen, wie es ehrlich eben am längsten währt.

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6 Comments  comments 

6 Antworten

  1. avatar Martin

    Hi Yvette,

    sehr guter Beitrag, stimme in jedem Punkt zu. Solange irgendwer dran verdient, wird sich so schnell nichts ändern, fürchte ich….

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  2. Ich haben unser Programm erst vor einigen Wochen gestartet und bin kurz davor, es wieder einzustellen. Wenn ich überlege, wie viel Zeit die Detektivarbeit zur Fraud-Bekämpfung zuletzt gekostet hat – Verdachtsfälle prüfen, Beweise sammeln, mit Publishern austauschen – und das gegen die reellen Einnahmen verrechne, ist das einfach kein lukrativer Kanal. Da gebe ich lieber eineurofünfzig mehr aus und kaufe den Werbeplatz für CPC statt CPO, ohne ein mulmiges Gefühl zu haben.

    Immer mehr Merchants werden sich aus dem Affiliate-Marketing zurückziehen oder eigene Partnerprogramme einsetzen. Daran ist besonders die Zulassungspolitik der Netzwerke schuld, die Publisher zulässt, die schon auf den allerersten Blick unseriös sind. So will heute jeder Honk im Internet reich werden und baut sich per Baukasten einen hässlichen Affiliate-Shop/Blog. Und weil das mit dem Reichwerden nicht so richtig klappt, wird halt ein bisschen nachgeholfen. Weist man die Netzwerke darauf hin, heißt es, man habe den Publisher ordentlich geprüft und solle sich keine Sorgen machen. Na, dann ist ja alles gut.

    Gleichzeitig bietet sich die Gelegenheit für ein mutiges Startup: Baue ein Affiliate-Netzwerk, das nur wirklich gute Publisher akzeptiert, das keine automatische Provisionsfreigabe nach 60 Tagen erzwingt und das restriktiv gegen Fraud vorgeht. Ich würde sofort in diesen „Club der Ehrlichen“ wechseln. Wer macht´s?

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  3. Hallo Yvette,

    auch ich muss Deinem Beitrag grundsätzlich zustimmen. Möchte hier aber auch eine Lanze für die brechen, die für den Kanal Affiliate mit ehrlichen Methoden kämpfen.
    Sicherlich schneidet man sich dann kurzfristig ins eigene Fleisch, doch langfristig kann es der ganzen Branche nur helfen.
    Denn wie Simon schreibt, ist da draußen ein Wunsch nach sauberer Arbeit und die Gefahr, dass Merchands sich komplett aus diesem spannenden Kanal zurückziehen.
    Ich kann in diesem Fall nur für uns sprechen, dass wir regelmäßig schwarze Schafe herausfiltern und diese Erkenntnis mit anderen (Netzwerken und andere Agenturen) teilen. Denn wir arbeiten nach dem Motto: EHRLICH WÄRT AM LÄNGSTEN!!!

    Hoffe dass sich dies in der Branche wieder mehr durchsetzt!!!

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  4. avatar Tom

    Hallo Simon,

    bei CPC und TKP ist das Betrugspotential meiner Meinung nach höher als bei CPO. Nur dass Fraud bei CPC und TKP fast unmöglich zu erkennen ist, wenn der Anbieter keine Transparenz bietet.

    P.S.:
    Die grossen deutschen Netzwerke achten doch inzwischen mehr oder weniger auf hohem Niveau auf Publisher-Qualität.
    Wo machst Du denn gerade diese schlechte Erfahrung?
    Oder hast Du einfach ein Produkt das sich nicht für CPO eignet weil es Dir als Merchant aufgrund der Produktart unmöglich ist die Qualität der gelieferten Orders zu prüfen?

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  5. avatar Simon

    Hallo Tom,

    es hängt wohl auch vom Produkt und dem gewünschten Werbumfeld ab. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus würde ich das Risiko bei CPC jedenfalls geringer einschätzen, weil ein gehäuftes Auftreten von Klicks über wenige IP-Adressen leicht zu bemerken wäre. Und wenn der Publisher vor Aufdecken des Betrugs 5-6-mal auf mein Banner klicken lässt, um damit 2€ zu verdienen, ist der Schaden verschmerzbar. Beim Affiliate-Marketing summiert sich das kriminelle Interesse von drei Teilnehmern (Kunde, Publisher und Netzwerk), zudem ist der Schaden pro Betrugsfall höher.

    P.S.:
    Wir verkaufen Mietwagenbuchungen, also ein klassisches CPO-Produkt.
    Meine schlechten Erfahrungen mache ich gerade beim Marktführer… Besonders oft erreichen mich Bewerbungen von Seiten, deren Inhalt automatisch aus diversen Newsportalen zusammen geklaut ist. Offenbar passiert das automatisch, denn es sind immer Blogs, die in regelmäßigen Abständen auf diese Weise Content generieren. Erkennbar sind sie meistens am ausländischen Impressum und daran, dass Umlaute nicht dargestellt werden. Genau diesen Hinweis habe ich auch unserem Netzwerk gegeben, woraufhin ich für dumm verkauft wurde („alles geprüft, machen Sie sich keine Sorgen“). Wenn dem Netzwerk so was schon nicht auffällt bzw. es auch auf Hinweis des Kunden ignoriert wird, will ich nicht wissen, wie gut die Fraud-Protection arbeitet.

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  6. @Simon da sprichst du einen ganz wichtigen Punkt an: den Bewerbungsprozess. Hier gibt es viele Kriterien, nach dem man „undurchsichtige“ Partner schon von vorneherein herausfiltern kann (ein paar hast du schon beschrieben) um sich vor Betrug zu schützen. Leider kann man sich bei manchen Netzwerken einfach mit beliebigen Seiten anmelden, teilweise findet keine Überprüfung mehr statt. Aber genau hier sollte man auch nicht an Prüfung und Kontrolle sparen.

    Zu dem Punkt, dass es immer schwierig ist, solange jemand mit verdient: klar gibt es einen Interessenskonflikt – das ist aber Einstellungssache. Und genau wie Matthias auch schon geschrieben hat: letzten Endes tut man sich keinen Gefallen damit, einfach die Augen vor Betrug zu verschließen.

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