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Kuchenbüffet – Welche Krise? – Teil 2

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Chancen für die Zukunft

Die Frage, die man sich wirklich stellen muss, ist doch folgende: wie passen zweistelliges Wachstum in den USA und Asien und die Tatsache, dass Affiliate-Marketing immer noch weniger als 5% der weltweiten Werbeausgaben ausmacht mit der Meinung einiger Leute zusammen, dass es eine „Krise“ in der Branche gibt? Jeder, der zumindest die 5te Klasse hinter sich gebracht hat, weiss, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann. Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder die ganzen Zahlen sind falsch, oder die Kommentatoren, die von „Krise“ sprechen blenden einen guten Teil der Realität aus – ob absichtlich oder aufgrund mangelnder Information, sei einmal dahingestellt.

Umdenken ist angesagt

Fest steht doch, dass es zahlreiche neue Kanäle gibt, die nicht nur gut laufen, sondern in den letzten Jahren extremes Wachstum gesehen haben und weiterhin sehen werden. Der mobile Markt hat sich mindestens so gut entwickelt, wie erwartet und Video und In-App-Advertising haben zahlreichen Unternehmen völlig neue Wege eröffnet. Das Problem scheint also weniger eine „Krise“ der Branche als solcher zu sein, sondern die Unfähigkeit vieler, großer Netzwerke und Agenturen sich entsprechend schnell umzustellen. Trägheit der Masse ist besonders im Business-Bereich ein häufig unterschätzter Faktor: großen Unternehmen fehlt, verursacht durch lange Entscheidungswege und ängstliche Anleger, häufig die Flexibilität um mit einem sich schnell veränderten Markt Schritt halten zu können.

Diese Probleme treffen aber auf den „kleinen“ Publisher, SEOs und Dienstleister nicht zu. Ihr müsst keinen Vorstand überreden, bevor Ihr Millionen in irgendeine neue Technik investiert, Ihr müsst keine Serverfarm aufbauen, wenn Ihr euren Webshop erweitert. Nutzt diesen Umstand zu Eurem Vorteil. Während Google und Co. sich anscheinend nur noch auf große Advertiser und Massenkampagnen ausrichten, habt Ihr die Chance, schneller zu reagieren, näher am Kunden zu sein und wirklich indivduelle Lösungen zu bieten.

Die Liste der technischen Möglichkeiten wird immer länger, es gibt mittlerweile nichts mehr, was sich nicht innovativ bewerben bzw monetarisieren lässt. Nur weil Keywordspam und ellenlange Mail-Listen heute keine Lizenz zum Gelddrucken mehr sind, heisst das noch lange nicht, dass man der Zukunft pessimistisch gegenüber stehen müsste.

Das Internet ist international – Duh!

Neben den ganzen technischen und finanziellen Verschiebungen im System gibt es noch eine andere Entwicklung, die anscheinend von SEHR vielen Marketern völlig ausgeblendet wird. Häufig sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht, und wenn man 24/7 bis über beide Ohren in CPCs, CTR, TKPs und anderen Details des Affiliate-Alltags steckt, passiert es schnell, dass man den Blick für das große Ganze verliert.

Um etwas konkreter zu werden: das Problem liegt nicht unbedingt im Affiliate-Modell, sondern in einer viel breiteren Entwicklung, die weit über den Marketing-Sektor hinaus geht, jedoch von vielen Leuten anscheinend nach wie vor ausgeblendet wird. Würden sich Marketer für einen kurzen Moment von ihren Statistiken lösen und einfach mal internationale Nachrichten, besonders aus dem Bereich Wirtschaft, zu Rate ziehen, würden sie entdecken, was andere Branchen schon lange wissen: in Europa, besonders auch in Deutschland, ist nicht mehr mit viel Wachstum zu rechnen, die Bankenkrise von 2008 dauert immer noch an und Konsolidierungsbewegungen gab es bereits in allen Bereichen. Was Online-Marketer glauben ließ, sie würden nicht auch irgendwann etwas davon zu spüren bekommen, erschließt sich mir nicht.

Nun sieht es, wie bereits erwähnt, auf der anderen Seite so aus, dass sowohl in Übersee als auch in Asien die Werbewirtschaft, und damit das Modell „Affiliate“, nach wie vor gute Zahlen schreiben. Besonders Südamerika, aber auch Indien, Malaysia und Indonesien sind riesige Märkte, deren Erschließung dank des Internet heutzutage doch soviel leichter ist, als es noch zu Kolonialzeiten der Fall war. Wo sich von Darwinschem Rassenwahn getriebene Adelige vor 150 Jahren noch auf Expeditionen durch den tiefen Dschungel kämpften, um Eingeborene anhand des kranialen Umfangs als „Primitive“ zu klassifizieren, schießen heute Wolkenkratzer in die Höhe, deren Büros bis oben hin mit potentiellen Kunden gefüllt sind. Nirgendwo verbringt die Jugend soviel Zeit mit PC und Smartphones, nirgendwo ist die digitale Kultur derartig in den Alltag integriert, wie in Ostasien, der Mittelstand in Lateinamerika wird immer größer und indische Straßenkinder können mittlerweile Websites programmieren.

Man kann jetzt abwarten, bis die Affiliate-Branche den Weg der Automobil- und Unterhaltungsindustrie geht, sprich: bis die Firmen aus Asien hier den Markt übernommen bzw die hiesigen Firmen Ihre Standorte nach dort verlegt haben (GM, BMW, VW um nur 3 zu nennen), oder man kann den Umstand nutzen, dass man im Internet ohne weiteres auch DORT Geschäfte machen kann – ohne gleich ganze Industrieparks zu errichten. Von SEO-Copy auf Thai, bis hinzu Mobile-Marketing-Guides für die Arabischen Emirate gibt es kaum noch etwas, was man nicht von 3rd-Party Anbietern bekommen kann.

Entweder man eröffnet sich selbst den internationalen Markt, oder dieser Markt rennt einem früher oder später die Tür ein.

tl;dr

Nur weil es hier im „klassischen“ Affiliate-Segment in Deutschland und Europa in den letzten Monaten etwas bergab ging, heisst das noch lange nicht, dass es nicht auch jede Menge Chancen für Publisher und flexible Agenturen gäbe. Der bereits erwähnte Kuchen ist nicht etwa kleiner geworden – im Gegenteil. Man muss heute jedoch ein wenig mehr tun, als auf die Bedienung zu warten – man muss „ran an das Büffet“ und sich den Kuchen da holen, wo er ist.

Leckeres Gebäck gibt es in den nächsten Jahren vor allem hier:

  • Video-Advertising: vermutlich größter Wachstumsmarkt überhaupt
  • Mobile: es gibt Kunden, aber es fehlt an Produkten und guten Trackingmethoden – eine gute Chance für Softwareentwickler und Agenturen
  • Big Data: Speicherplatz und dazugehörige Verwaltungssoftware wird immer preiswerter, bald können auch kleine Publisher von sehr großen Datenmengen profitieren. Entweder als Nutzer, oder als Werbepartner.
  • RTA: Die Entwicklung von Echtzeit-Advertising nimmt in 2014 richtig an Fahrt auf und erlaubt Publishern, dass eigene Inventar besser und schneller zu monetarisieren.
  • Übersee: im Gegensatz zu Europa erleben die USA in den nächsten Jahren einen zweitstelligen Zuwachs bei den Werbeausgaben
  • Asien: die Sprachbarriere ist der EINZIGE Grund, hier nicht schon seit Jahren tätig zu sein. Nutzerzahlen und User-Engagement bei Kampagnen ist extrem hoch und werden in den nächsten Jahren weitehin wachsen. (Malaysia, Indonesien, Indien)
  • Orientalisches Gebäck, wenn auch etwas süß, ist auch lecker. Die Zahl potentieller Nutzer in Nordafrika und Arabien wächst fast so schnell, wie in Asien – wer sich mit den kulturellen Eigenheiten vertraut macht (und einen guten, arabischen Copywriter findet) und sich besonders auf Mobile spezialisiert, kann hier sehr erfolgreich sein.

Ich könnte die Liste noch weiterführen, doch ich denke, der Artikel ist mittlerweile lang genug und die Richtung ist klar.

Mir ging es hauptsächlich darum einmal aufzuzeigen, dass es zwar tatsächlich Umwälzungen gibt und die Aussichten hierzulande nicht unbedingt rosig sind – deswegen aber von einer „Krise“ zu sprechen, trotzdem keinen Sinn macht. Wer sich rechtzeitig umorientiert, wird Ende 2014 deutlich besser dastehen, als heute.

Wie Ihr übrigens am jeweiligen Veröffentlichungsdatum der verlinkten Artikel sehen könnt, habe ich mir das nicht nachträglich aus den Fingern gesaugt.

Nutzt die Chancen!

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1 Comment  comments 

Ein Antwort

  1. avatar Oliver

    Top Artikel! Mehr ist dem wohl nicht hinzuzufügen.

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