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Quo vadis, SuperClix?

Sinkende Umsätze, unzufriedene Publisher, technische Fehler, langjährige Mitarbeiter verlassen das Unternehmen – die Nachrichten der letzten Wochen und Monate werfen kein gutes Licht auf die Entwicklung beim alteingesessenen Affiliate-Netzwerk SuperClix.

Als nun kürzlich auch noch ein recht bekanntes Partnerprogramm (näheres dazu weiter unten) unter zweifelhaften Umständen aus dem Angebot genommen wurde, fanden wir es an der Zeit, einmal einen genaueren Blick auf die Hintergründe zu werfen.

Doch alles der Reihe nach….

Die Zahlen

Der durchschnittliche Affiliate verbringt jeden Tag viel Zeit damit, seine Statistiken durchzusehen – sei es, um einfach nur die Umsätze zu überprüfen oder, anhand von etwas aufwendigerer Analyse, Fehler zu finden und Traffic-Löcher zu stopfen. Wie dem auch sei, fest steht jedenfalls, dass es kaum eine Berufsgruppe gibt, die derartig früh und detailliert feststellen kann, ob und wo etwas nicht stimmt. Ich denke darüber sind wir uns soweit einig.

    Einbruch in 2009: Immer weniger Affiliates konnten von 100pp an SuperClix vermittelt werden

Einbruch in 2009: Immer weniger Affiliates konnten von 100pp an SuperClix vermittelt werden

Daher können wir auch davon ausgehen, dass sinkende Anmeldungen und ebenso zurückgehende Umsätze keine subjektive Wahrnehmung, sondern unangenehme Realität sind.

Als praktisches Beispiel kann man hier direkt unsere eigene Seite nennen: wie man an der Grafik sehr gut erkennen kann, ist die Zahl der Neuanmeldungen bei SuperClix über das Portal 100pp.de ab 2009 sehr stark eingebrochen. Nun könnte man natürlich den Einwand erheben, dass sich bis 2009 die meisten professionellen Publisher bereits angemeldet hatten und daher die Kurve einbricht. Dies ist allerdings nicht ganz richtig, da: erstens die Seite 100partnerprogramme als solche seit 2006 deutlich professioneller gestaltet und die Reichweite damit erheblich vergrößert wurde (siehe starker Anstieg 2006-2009) und zweitens die Kurve der verdienten Provisionen im selben Zeitraum nahezu identisch ist. Das bedeutet, dass auch die Umsätze der bereits angemeldeten Publisher ebenso zurück gegangen sind, was ja der Theorie, dass alle bereits angemeldet waren, deutlich widerspricht. Darüber hinaus müsste die Kurve sich ja einem Maximum annähern und dann langsam abflachen, anstatt plötzlich abzustürzen.

Geschrumpftes Team

Auch intern hat sich in den letzten Monaten einiges bei SuperClix verändert. Seit August haben vier Leute das ohnehin schon kleine Team verlassen, darunter auch die zwei (Key) Account Manager Antje Heitzler und Mark Binder und Online Marketing Manager Dirk Wrana, der immerhin über 12 Jahre bei SuperClix tätig war. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt. Fest steht jedenfalls, dass die Arbeit nun von weniger Leuten erledigt werden muss, was nicht unbedingt von Vorteil für die betreuten Affiliates sein kann – wie das mit der Änderung von SuperClix zusammenpasst, in Zukunft jeden einzelnen Partner mehr oder weniger aufwendig zu verifizieren, sei einmal dahingestellt. Geschäftsführer Marcus Lutz dazu:

„(…) Ansonsten ist die offizielle Mitarbeiterzahl gleich geblieben (8 MAs, siehe 100pp-Poster), wir waren ja schon immer ein kleines und sehr effektives Team und sind sehr stolz darauf. Zusätzlich gibt es aber auch ein tolles Netzwerk mit vielen Kontakten, mit denen kurzfristige Auftragsspitzen auch gelöst werden können, wie bereits in den Vorjahren.“

Geschrumpftes Portfolio

Allerdings muss man erwähnen, dass neben der Zahl der Mitarbeiter auch die der gelisteten Partnerprogramme deutlich nachgelassen hat. Auch wenn auf der Homepage nach wie vor von „über 700“ Programmen die Rede ist, verrät eine Detailsuche ohne Filter (siehe Screen), dass momentan nur noch 343 Programme in der Datenbank zu finden sind.

superlix-partnerprogramme

Diskrepanz der Zahlen: 343 „öffentliche“ Partnerprogramme vs. „700+ Partnerprogramme

Neuer Anmeldeprozess

Wie eingangs bereits erwähnt, waren personelle Änderungen oder einbrechende Umsätze anscheinend nicht die einzigen Probleme, die es in den letzten Wochen beim Netzwerk gegeben hat. Diverse Advertiser hatten damit zu kämpfen, dass sich Publisher nicht für deren Programme anmelden konnten bzw. erst nach sehr langer Wartezeit freigeschaltet wurden. Dass dies bei einigen Advertisern nicht unbedingt auf Verständnis gestoßen ist, sollte eigentlich klar sein – schließlich wurden, wie ein Betroffener uns berichtete, weiterhin Rechnungen ausgestellt.

Auf Nachfrage bei Inhaber Marcus Lutz sagte dieser dazu:

„Wir sprechen lieber von Affiliate-Partnern, als von „Publishern“, da das Affiliate-Marketing nicht nur aus „Publishen“ besteht: Wir hatten die kostenlose Anmeldung für neue Affiliate-Partner aus Qualitäts-Gründen tatsächlich zum Jahreswechsel etwas optimiert und deswegen kurzzeitig ein paar Tage pausiert. Nun werden diese neuen Partner gleich mit der Anmeldung aufwendig verifiziert, früher wurde dies meist erst bei der ersten Auszahlung gemacht, was wiederum die Auszahlung extrem verzögert hat. Der Vorteil ist nun für alle Betreiber von Partnerprogrammen ein deutlicher Mehrwert mit einem Premium-Netzwerk mit wirklich echten & verifizierten Affiliates, ganz im Gegensatz zu anderen Anbietern, was jeder selbst testen kann, wenn er sich mit falschen Daten bei anderen probeweise anmelden würde…



Durch die Verifizierung aller Affiliate-Partner bei SuperClix ist auch die allgemeine Stornoquote und der Mehraufwand für Agenturen & Partnerprogramm-Betreiber bei vielen Partnerprogrammen auch sehr deutlich zurückgegangen, was sich dann mittel- und langfristig auch auf die Provisionen auswirkt, einzelne Aktionen und Provisionserhöhungen gibt es derzeit z.B. exklusiv bei SuperClix für verifizierte Top-Affiliates.“

Die Anmeldung war unseres Wissens nach länger nicht verfügbar als ein paar Tage. Dass ein neuer Anmeldeprozess erstellt wird, der sowohl Affiliate Partnern als auch Advertisern zu Gute kommt ist positiv. Fraglich ist hierbei, warum SuperClix diese Umstellung weder Advertisern noch Affiliates kommuniziert hat? Dass die Probleme allerdings ein wenig weiter gehen, als nur eine verzögerte Anmeldung, zeigt sich an dem Fall des eingangs erwähnten Partnerprogramms.

Pausierung & Stornierung

Der Fall sieht ungefähr wie folgt aus:

  • Im gesamten Dezember konnten sich Partner nur schleppend bzw überhaupt nicht bei SuperClix registrieren und zu dem besagten Programm anmelden.
  • Die betreuende Agentur, sowie der Advertiser selbst, haben dies MEHRFACH bei SuperClix angemahnt und um Lösungen gebeten. Ein recht komplizierter Workaround wurde erstellt, so mussten sich die Partner per Mail bewerben.
  • Als daraufhin keine Besserung eintrat, entschloss sich der Betreiber dazu, die entsprechende Rechnung für Dezember nicht zu zahlen, da die vertraglich geschuldeten Nutzungsmöglichkeiten der Publisher seiner Meinung nach ausblieben. Dieses wurde VORHER angemahnt und entspricht gängiger Geschäftspraxis – kein Service, kein Geld.
  • Anstatt die Probleme aus der Welt zu schaffen oder diese zumindest ausreichend zu kommunizieren, entschloss sich SuperClix lieber dazu, dass Programm aufgrund von „Zahlungsschwierigkeiten“ zu pausieren. Als ob das nicht schon genug wäre, hielt man es für angebracht, den Affiliates des besagten Programms folgende Mail zu schicken:
Am 28. Januar wurde das Partnerprogramm pausiert.

Am 28. Januar wurde das Partnerprogramm pausiert.

  • Man muss kein Genie sein, um hier die potentielle (und evtl. beabsichtigte?) Rufschädigung zu sehen. Dies ist besonders dreist, da der Betreiber (aus Sicht der Redaktion zumindest) einen äußerst seriösen (und liquiden) Eindruck macht.
  • Laut dem Advertiser gab es etliche Anfragen, so auch von uns, was denn los sei, das Wort Insolvenz prangt ja recht deutlich in der Mail hervor. Der Advertiser sah sich gezwungen ein eigenes Statement zu der Mail über seinen Affiliate-Verteiler zu schicken. In dieser Mail drohte er an, wegen Rufschädigung anwaltliche Schritte vorzunehmen, um seinen Affiliates deutlich zu machen, das diese Aussage nicht zutrifft. Aufgrund dieser Drohnung und trotz nachträglich bezahlter Rechnung, entschied SuperClix das Programm aus der Datenbank zu nehmen und die Zusammenarbeit zu beenden. Dabei war übrigens die obige Mail nur die Spitze des Eisberges, einen Tag später folgte dieses Schreiben an die Affiliates:


Am 29. Januar wurde das Partnerprogramm storniert.

Am 29. Januar wurde das Partnerprogramm storniert.

  • Wenn man schon so dreist ist, sollte man zumindest die Logik aufrecht erhalten. Warum, wenn die Zusammenarbeit SEIT JAHREN mangelhaft sei, wurde das Programm nicht früher beendet? Oder mit dem Advertiser über die Mängel gesprochen? Und was war 1994? Gab es Affiliate-Marketing da überhaupt schon? Fragen über Fragen….
  • Fest steht jedenfalls folgendes: Diese ganze Situation hätte man um einiges eleganter lösen können, ohne Gesichtsverlust auf beiden Seiten. Leidtragende sind in erster Linie die Affiliates.

Ende der Geschichte: Der Betreiber hat bereits einen neuen Anbieter gefunden und für ihn ist die Sache damit gegessen. Dass Marcus Lutz neuerdings auf seinem Xing-Profil den Leuten die Zunge rausstreckt, ist dabei vermutlich reiner Zufall…

Ohne Worte.

Ohne Worte.

Und noch ein Merchant

Ein weiterer Programmbetreiber schüttete uns gestern sein Herz aus:

„Die Entscheidung, unser Affiliate Marketing über SuperClix laufen zu lassen, war leider vorschnell getroffen. Wir sind sowohl mit der gebotenen Dienstleistung als auch dem „Drumherum“ absolut unzufrieden. Der Support ist unsachgemäß geschult und technisch absolut überfordert, das Backend des Systems ist aus Sicht des PP-Betreibers absolut suboptimal und unstrukturiert. Die Betreuung ist trotz Unwissenheit meist unheimlich unfreundlich und wahnsinnig schnell „genervt“. Weiterhin ist die Anmeldungsroutine für Affiliates „steinzeitlich“, was bei einer Vielzahl potenzieller Affiliates dazu führt, dass diese uns nicht bewerben wollen. Wir sind absolut unzufrieden, und überlegen bereits, das Netzwerk zu wechseln, sind jedoch auf Grund der administrativen Hürden sowie des Verlustes von Affiliates noch am grübeln. Ich kann nur jedem Unternehmen von SuperClix abraten.“

Ich beende einen Artikel ungern mit einer negativen Aussicht. Da es mir aber nach den oben genannten Dingen schwer fällt, sonderlich optimistisch zu bleiben, lasse ich Marcus Lutz einfach einen Zukunftsausblick liefern (der nicht unbedingt mit meinem übereinstimmen muss….Marketing, Ihr wisst schon):

„Auch 2014 wird SuperClix NICHT das umstrittene Postview, Gutschein-Spam und fehlerhafte Trackingweichen zulassen, weil wir es nach wie vor schädlich für das echte Affiliate Marketing halten, auch wenn man dadurch den schnellen (angeblichen) Umsatz machen könnte. Bereits im Interview mit ibusiness hatte ich ja schon geäußert, daß die Probleme im deutschen Affiliate-Marketing eigentlich hausgemacht sind, Umsatzsteigerungen gab es bei den meisten in den letzten Jahren nur deswegen, weil international ein paar Büros zusätzlich geöffnet wurden oder solche Sachen wie Postview & Gutschein-Spam toleriert wurden, was anderen Affiliates (z.B. Content-Affiliates) stark schadet. Ich erwarte also, daß andere Anbieter – genauso wie SuperClix – endlich ihre Hausaufgaben machen und deutlich mehr Qualität und Transparenz von echten Experten bieten, und nicht nur unverifizierte und komplette Daten & Statistiken von Affiliates und allen deren Projekten zur weiteren Kontrolle einfach an den Partnerprogramm-Betreiber & Agenturen weiterleiten.

Wir selbst haben derzeit – wie schon seit 2000 – einige interessante Tests nebenbei laufen, die aber noch nicht ganz marktreif sind, aber für Überraschungen im Markt sorgen werden. Gerüchte, das bei SuperClix 2014 Investoren einsteigen oder gar verkauft wird, kann ich voll dementieren, wir sind sehr glücklich und lieben das echte Affiliate-Marketing mit interessanten Nischen viel zu sehr.“

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9 Comments  comments 

9 Antworten

  1. avatar Nicht beschimpfen

    Im Grunde würde ich Marcus für seinen 1-Mann-Krieg gegen die Moderne ja fast schätzen, würde er nicht in einigen Punkten so grundsätzlich falsch liegen.

    Affiliate Marketing ist eben nicht nur Content-Longtail Partnerschaften, sondern wir sprechen mittlerweile auch von Relationship Management zwischen Publishern (es spricht Bände das er auch hier wieder das Wort ablehnt) und Advertisern.

    Fakt ist doch, das Superclix System ist steinzeitlich und das permanente herummäkeln an neuen Marketing Methoden nervt einfach nur noch. Man kann sich nicht hinstellen, die Zunge rausstrecken und allen anderen sagen – das steht ja noch im XING Profil – ich bin der ECHTE Marketing Profi, alle anderen Fallen auf böse Gutschein-Spammer rein. Das ist eine total einseitige Betrachtung der Realität und trifft auch nicht zu.

    Ich bin mir sicher, er wird sich hier ja wieder selber zu Wort melden und alles ganz, ganz anders sehen. Danke für den kritischen Beitrag hier. Sowas braucht die Branche. Mehr davon, auch gern zu anderen! Wir sollten aufhören einfach nur alles abzunicken und zu belobhudeln.

    Auf die Innovationen in 2014 von Superclix bin ich gespannt, wenn es denn welche sind. Das wird Superclix gut tun, und auch dem Markt. Sowas ist prima.

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  2. avatar Simon Schier

    Wirklich gut recherchiert und interessanter Artikel

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  3. Marcus ist seit 15 Jahren im Business, und seine fachliche Kompetenz steht für mich weit entfernt von jedem Zweifel.

    Weil er keinen VC- Wasserkopf zu bedienen braucht, kann er sich leisten, das zu machen, was er für richtig hält.

    Offen gesprochen glaube ich, dass die Partnerprogramm- Dinosaurier das Affiliate- Business gerade mit der Gutschein- Advertiser- Verarschung und Sachen wie Cashback- Publishern und Postview in richtig ernsthafte Schwierigkeiten bringen, und Marcus ist einer der wenigen, der diesen Müll nicht mitmacht.

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  4. avatar Simone Brandstätter

    Ich muß dir rechtgeben Olaf dass auch bei anderen Netzwerken nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Allerdings gehört zu Fachkompetenz auch soziale Kompetenz dazu, um ernstgenommen zu werden.

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  5. Sehr interessanter und ausführlicher Artikel, vor allem deshalb weil wir uns dort eigentlich demnächst anmelden wollten.

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  6. avatar Olaf Kerner

    Simone: Es sind leider fast nie alle guten Eigenschaften in einer Person vereint…

    Marcus ist einer von den Akteuren im Markt, den ich ernst nehme. Schaue Dir doch mal die Manager der fremdfinanzierten Plattformen an: Die machen jeden Unsinn mit, um kurzfristig Geld zu verdienen. Langfristige Erfolge sind diesen Managern oft völlig egal, weil sie in 2 Jahren meist längst woanders arbeiten.

    Wie auch immer: Wir haben entschieden, dass wir unsere Partnerprogramme inhouse führen, um Ärger zu minimieren.

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  7. […] sogar bei SuperClix rumort es scheinbar unter der Oberfläche […]

  8. […] Situation von Superclix auseinandergesetzt. Dabei hat er ziemlich tief gegraben und dazu einen ausführlichen Artikel […]

  9. […] Windfelder von 100partnerprogramme.de und Marcus Lutz mitverfolgen. Nach einem beunrhigendem Beitrag von Martin Bahls gab es jede Menge Kommentare und auch Marcus ließ es sich nicht nehmen auf seine […]