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Do as I say, not as I do – Das Coach-Prinzip im Online-Marketing

Meine ersten Berührungen mit Affiliate-Marketing stammen aus dem Bereich des Online-Poker. Jahre, bevor ich jemals Begriffe wie CPC oder CTR gehört hatte und, wie die meisten meiner Bekannten, Pinguine schlicht für eine flugunfähige Vogelart hielt, gab es dort zahlreiche Tell-a-friend Programme und Möglichkeiten, über die richtigen Kontakte diverse Boni und andere Vergünstigungen zu erhalten. Mit der Zeit lernte ich dann, wie diese Affiliates arbeiteten, wie man für vermittelte Spieler bares Geld erhalten kann und was es mit der Branche eigentlich so auf sich hat. Ich musste in den letzten Wochen häufig an diese Zeit zurückdenken – nicht wegen zahlloser Spam-Mails, die ich nach wie vor erhalte, sondern, weil sich im Onlinemarketing ein Phänomen breitmacht, welches bereits vor Jahren in der Pokerwelt Einzug gehalten hat – das Coach-Prinzip.

internet-marketingcoach

Einige professionelle Marktteilnehmer wechseln bei sinkenden Einnahmen die Seite – sie verlagern ihre Hauptaktivität auf das Gebiet Beratung.

Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es das Wort überhaupt gibt, daher hier eine Erklärung anhand des Beispiels Online-Poker: Seit Jahren wird die Luft für Online-Pokerspieler immer dünner. Nicht nur, weil die Zahl der legalen Hürden unaufhaltsam steigt, sondern vor allem auch, weil ein Mangel an neuen Gelegenheitsspielern und ein ständiger Zuwachs an „professionellen Grindern“ (Dauerspieler) die Varianz in unerträgliche Höhen treibt und es selbst für erfahrene Spieler schwierig macht, regelmäßige Gewinne einzufahren. Die Geldmenge im System ist begrenzt, man spielt nicht gegen eine Bank, sondern gegeneinander. Das führt über kurz oder lang dazu, dass Gewinne zwar rein mathematisch durchaus noch möglich sind – im Vergleich zum Risiko aber kaum den Aufwand wert. Zahlreiche Tools, Tracking-Programme und detaillierte Analysen von Spielerverhalten haben dazu geführt, dass sich an der Spitze die allerbesten um das Geld prügeln, welches von unten hochgespült wurde.

Genau diese Leute an der Spitze haben natürlich als erste erkannt, dass es für die eigene, geistige Gesundheit, aber auch das Konto von Vorteil wäre, sich eine weitere Einnahmequelle zu erschließen, die nicht dem Auf und Ab der Varianz unterliegt, aber ihnen dennoch erlaubt, ihre Talente voll zu nutzen: darf ich vorstellen, das Coach-Prinzip.

pokerAnstatt sich auf den Highstakes herumzuplagen, fingen diese Profis plötzlich an, ihr „geheimes“ Wissen in Büchern und Videos zu teilweise heftigen Preisen zu veräußern. E-Books für mehrere Hundert, teilweise Tausende von Dollar, und Stundenpreise für persönliches Coaching von 600$ und mehr, waren keine Seltenheit. Da konnte es an den Tischen schon einmal schlechter laufen, fünfstellige Monatsgehälter waren damit erst einmal wieder gesichert. Doch damit ergab sich ein weiteres Problem – durch das nun weit verbreitete Wissen um Pokertheorie und die Mathematik dahinter, wurde das Spiel als Ganzes wieder schwerer – was wiederum mehr Leute veranlasste, Coaching zu buchen, um das Niveau noch weiter anzuheben – bis hinterher nur noch die Seiten-Betreiber und Coaches wirklich Geld verdienten, während alle anderen im Haifischbecken nach Goldfischen jagen mussten.

Was hat das mit Online-Marketing zu tun?

Wenn man nun in dem obigen Beispiel die Highstakes-Profis durch Agentur- bzw. Netzwerk-CEOs ersetzt, die „Grinder“ durch kleine Publisher, die Gelegenheitsspieler durch User bzw. Traffic und die Pokeranbieter selbst durch Google, ergibt sich ein interessantes Bild.

Auch im Online-Marketing gibt es seit einigen Jahren einen Trend, sich aus dem eigentlichen Geschäft, sprich dem harten Kampf um Traffic, zurückzuziehen, und stattdessen lieber „Beraterfunktionen“ anzunehmen. Anstatt sich mit eigenen Angeboten also um Traffic zu prügeln, erklärt man lieber anderen, wie das angeblich geht und lässt sich dafür fürstlich entlohnen. Die einzigen, die sich das leisten können, sind eben die großen Konzerne, denen man erklärt, dass sowieso nur AdWords, PLAs und „Programmatic“ etwas bringen und am Ende freut sich Google, weil die Kasse klingelt. Es vergeht keine Woche, ohne dass nicht mindestens ein alteingessener Agenturprofi sich „neuen, interessanten Aufgabenfeldern“ widmen will. Dass die dann jedoch seltsamerweise häufig in der selben Branche liegen, nur quasi auf der anderen Seite des Spielfelds, besser noch: an der Seitenlinie, sollte dabei niemanden stören.

Fazit: Taten sagen mehr als Worte – da ändert auch das ganze Marketing-Jargon nichts dran. Das Geschäft ist alles andere als leichter geworden und der Trend, sich etwas unabhängiger von den Schwankungen des Tagessgeschäfts bzw. Traffics zu machen, ist durchaus verständlich – es wäre nur schön zu sehen, wenn entsprechende Personen das auch offen und ehrlich kommunizieren würden, im Sinne aller Beteiligten.

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5 Comments  comments 

5 Antworten

  1. avatar LeuteLeute

    Beispiele?

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  2. avatar Martin

    @LeuteLeute

    Deswegen ja „Prinzip“ und nicht „10 Agentur-Pros, welche die Seiten gewechselt haben“ – ist ein kommentar von mir, erhebt keinen anspruch auf richtigkeit.

    beispiele findet man bestimmt genug – aber ich habe mit voller absicht keine namen genannt, darum ging es hier nicht. es ging darum, parallelen aufzuzeigen und die frage zu stellen, ob onlinemarketing bald vor ähnlichen problemen steht, wie zB online-poker: dass die erfahrenen leute ihre gewinne schon raus gezogen haben, nun den newcomern in monaten das erklären, was sie selber in jahren mühsam erlernt haben und damit für alle beteiligten (außer ihnen selbst) das ganze geschäft noch ein wenig härter zu machen. da diese entwicklung (verbreitung von wissen, best practices) auch noch exponentiell von statten läuft, sollte man die warnzeichen möglichst frühzeitig erkennen, sonst steht man hinterher vor einer situation, die keiner will: dass sich affiliate- bzw. publisher-dasein nicht mehr lohnt, weil es 1.zu viele gibt und 2. die großen konzerne mit ihrem geld die SERPs förmlich aufkaufen.

    gruß

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  3. avatar Martin

    Ich denke, das hier passt sehr gut dazu: man sieht hier, wie dünn die Luft an der Spitze mittlerweile geworden ist.

    http://moz.com/blog/google-organic-click-through-rates-in-2014

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  4. Sehr geehrter Herr Windfelder,

    was Sie hier schreiben ist nur allzu wahr. Es ist m.E. kein Coach oder Guru auf dem Markt der nicht den Weg als das Ziel verkauft. Versuchen die armen Interessenten das Ziel zu erreichen, scheitern Sie an den Kosten und den Hürden, die Ihnen in den blumigen Monologen der Webinare nicht kommuniziert waren. Dann aber haben sie die Links der vom Guru angebotenen diversen Produkte und Services schon vielfältig geklickt und bezahlt, der Guru sein Affiliate Honorar eingestreicht, sodann sind keine Fragen mehr zugelassen, Facebook-kritiken werden in den Gruppen gelöscht; wir sind schon lange im Käuferstreik, aber jeden Tag stehen neue Dumme auf. Gemeinhin würde ich das „Abzocke“ bezeichnen,oder?

    Gruß UH

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  5. […] Artikel hat letzte Woche Martin Bahls von 100pp verfasst. Dabei geht es um das von ihm erfundene Coach-Prinzip im Online-Marketing. Zuerst war ich wenig überzeugt, aber wenn man drüber nachdenkt hat er schon […]