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The week after – 5 Learnings aus #Mobilegeddon

Wer hier etwas regelmäßiger liest, weiss, dass ich jeden Trend erst Wochen, teilweise Monate später aufschnappe. Teils aus Desinteresse, teils aus simpler Verweigerungshaltung heraus. Daher hat es auch bis heute gedauert, bevor ich mich das erste Mal dazu durchringen konnte, einen Artikel mit „5 Learnings aus….“ zu betiteln.

Spaß beiseite – die letzte Woche war, was den „Nährwert“ der News anging, alles andere als als hochwertig. Das lag vor allem mal wieder daran, dass zahlreiche News-Outlets nichts besseres zu tun hatten, als jeden noch so kleinen Datenschnippsel, John-Mueller-Tweet oder Webmasterworld-Thread auf die Goldwaage zu legen. Wenn es nichts zu berichten gibt, sucht man sich halt etwas, woraus man zumindest einen kurzen Vierzeiler basteln kann. Die Rede ist natürlich von #Mobilegeddon. mobilegeddon_v2

Was mit einer Ankündigung von Google im Februar begann, entwickelte sich innerhalb der letzten Wochen zum gefühlten, digitalen Weltuntergang – um dann ganz plötzlich von der Bildfläche zu verschwinden. Zugegeben, ich bin noch nicht so lange dabei, wie einige der Leser hier, allerdings muss ich sagen, dass ich bisher noch NIE einen derartig krassen Unterschied zwischen Erwartung und letztendlichem Ergebnis erlebt habe. Klar gab es auch bei Penguin, Panda oder Hummingbird reichlich Gejammer, Gezitter und Gemecker – allerdings war dort der Hype deutlich geringer oder die tatsächlichen Änderungen deutlich signifikanter, als es letzte Woche der Fall war.

Auch wenn der Weltuntergang ausgeblieben ist, haben die letzten sieben Tage dennoch die ein oder andere Erkenntnis in mir aufkommen lassen – allerdings mehr allgemeiner Natur, als zu konkreten Änderungen – die Daten dazu kann sich jeder selbst anschauen. (Links: Sistrix-Blog, SEL-Artikel)

1: Google ist inkonsequent

Nunja, ich will nicht behaupten, dass dies eine neue Erkenntnis wäre – allerdings war es in diesem Fall doch wieder sehr auffällig. Während man sich bei Panda und Penguin ganz offiziell davon verabschiedet hatte, die Updates im Vorfeld anzukündigen, hat man es beim Mobile-friendly-Update anscheinend ganz bewusst andersherum gemacht. Über die Gründe kann man gerne spekulieren – dass es jedoch etwas mit „paid mobile search“ zu tun hat, ist doch arg wahrscheinlich. Mehr dazu unten.

2: Die Branche reagiert (immer noch) sehr langsam

Als letzte Woche gemeldet wurde, dass zwischen dem Zeitpunkt der Ankündigung und dem eigentlichen Update anscheinend nur ca. 5% mehr Seiten im Index das „neue“ mobile-friendly Siegel zeigten, war ich doch ein wenig erstaunt. Entweder man war dort schon weiter, als ich es heute bin – sprich: Googles Ankündigungen wird mit Gelassenheit begegnet – oder man war/ist immer noch nicht in der Realität des Jahres 2015 angekommen: Mobile first. Übrigens handelt es sich hier ausnahmsweise mal nicht um ein exklusiv deutsches bzw. europäisches Problem, auch in den USA oder Asien tut man sich anscheinend schwer. Lasst mich in den Kommentaren wissen, welcher Gruppe Ihr angehört.

3: Nichts wird so heiß gegessen…

…wie es gekocht wird. Es ist Dienstagmorgen, alle Webmaster sitzen gebannt vor den Bildschirmen, Tools sind geöffnet, das Smartphone liegt griffbereit und dann: nichts. Stundenlang so gut wie gar keine Veränderung. Selbst 24 Stunden nach dem offiziellen Beginn des Updates war kaum etwas zu erkennen – Mittwoch waren laut SEL gerade einmal 1,7% aller getesteten Seiten überhaupt betroffen, auch zum Ende letzter Woche änderte sich daran relativ wenig. Heute, eine gute Woche später, kann man feststellen: auch wenn es einige Seiten übel erwischt hat: ein digitaler Weltuntergang sieht anders aus. Dass auch branchenfremde Outlets (hauptsächlich Business-News) begannen, in die selbe Kerbe zu hauen, verschärfte das Problem natürlich zusätzlich.

Quelle: MOZ.com

Dass man dort in vielen Publikationen von Onlinemarketing allerdings soviel Ahnung hat, wie ich von Teilchenphysik (Tipp: sehr wenig), sollte mittlerweile jeder mitbekommen haben. Auch wenn er auf mich persönlich nicht vollständig zutrifft (schließlich habe ich letzte Woche schon absichtlich mit dem Artikel gewartet), beschreibt der Kommentar von Peter Hadorn ganz gut die Erwartungshaltung vieler Marketer (was natürlich auch Googles Kommunikation zu verdanken ist):

„Google Updates wirken generell mittel- bis langfristig. Hast Du denn erwartet, dass die Rankings gleich am 21. auf den Kopf gestellt werden? Für eine sinnvolle Analyse der Auswirkungen würde ich mal 3-4 Woche warten. Ist aber definitv so, dass Google mit ihrer PR v.a. auch eigene Ziele verfolgt :)“

4: Google verfolgt eigene Ziele

Duh. Ich weiss, ich weiss – ich erzähle hier nichts neues. Allerdings macht es schon Sinn, sich über die Beweggründe für einen derartigen Hype den ein oder anderen Gedanken zu machen. Dabei stellt man dann schnell fest, dass hier das genaue Gegenteil von dem getan wurde, was bisher der Fall war. Sprich: während man vorher versuchte, so viel Desinformation wie möglich zu streuen, um „Blackhats“ das Geschäft schwerer zu machen (angeblich), hat man hier nicht nur rechtzeitig Bescheid gegeben – man hat direkt Checklisten und Tools bereitgestellt, um schon im Vorfeld Webmastern die Möglichkeit zu geben, die eigenen Seiten zu testen. Was auf den ersten Blick kontraintuitiv wirkt, ist bei näherer Betrachtung ziemlich logisch: Man will mehr CMOs zu Investitionen in Mobile „überreden“ und hat erkannt, dass man mit zuviel Verschleierung und Hinhaltetaktik eher Trotzreaktionen bei den Verantwortlichen auslöst – in Zeiten von Facebooks „Atlas“ und Yahoos In-App-Ads wohl die bessere Lösung, als das „Drohen“ der letzten Jahre. Wie im letzten Artikel bereits erwähnt, fasst dieser kurze Kommentar von James Svoboda die Situation ziemlich gut zusammen:

„Google’s 1st attempt to get site owners to go mobile or go home didn’t work as well when they tried it with AdWords Enhanced campaigns. It’s likely that this will do what that update failed to do… get more advertisers bidding on mobile PPC.“

5: Selber denken

Auch wenn moderne Medien, das unsägliche deutsche „Bildungssystem“ (LOL) und der generelle Zeitgeist dem Konzept des „selber Denkens“ eher skeptisch gegenüberstehen, kommt man als moderner, onlineaffiner Mensch nicht umher, auch mal die eigenen grauen Zellen zu benutzen. Tut man dies mit gewisser Regelmäßigkeit, kann man schon bald die meisten Änderungen im Vorfeld erahnen, die Ziele erkennen und die für sich richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Ihr braucht weder mich, noch sonst irgendwelche „Experten“, um Euch zu sagen, dass Google hauptsächlich daran gelegen ist, die eigenen Taschen zu füllen. Bei einem Konzern, der laut aktuellen Berichten anscheinend in einer (tiefen) Krise steckt und der nach wie vor ca. 95% aller Einnahmen durch Onlinewerbung generiert, keine Überraschung – aber dennoch ein Punkt, den viele noch nicht verinnerlicht haben. Kognitive Dissonanz?

Fazit: Selbst dran halten

Als Fazit bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass ich in Zukunft noch deutlich stärker darauf achten werde, mich an meine eigenen Ratschläge zu halten. Ich verzichte in Zukunft lieber darauf, einen Artikel zu tippen, bevor ich mich dem Rest der Meute anschließe und wochenlang nur haltlose Spekulationen zu Papier bringe.

Unabhängig davon, wie das in der Praxis ausieht, eine Vorteil hat es: wir müssen alle weniger über Google lesen – ich denke das kann man unumwunden als positiv bezeichnen. Bis zum nächsten Mal.

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