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Der Wilde Westen des Affiliate-Marketings: Mobile, Paid Traffic and You

Jeder von uns kennt die Geschichten: Der Wilde Westen, grenzenlose Freiheit, Eigenverantwortung, Recht des Stärkeren – und niemand in Sicht, der in der Lage wäre, für Ordnung zu sorgen. So oder so ähnlich hat es sich wohl abgespielt vor ca. 150 Jahren, irgendwo zwischen Texas, Kentucky und Kalifornien.

Kalifornien, Schauplatz des berühmten “Gold Rush”, der viele Leute wohlhabend und andere zu Verrückten machte, ist dann zufällig auch die Heimat eines Unternehmens, welches sich auf die Fahne geschrieben hat, den neuen, “Digitalen Wilden Westen” zu kontrollieren: Google.

Ähnlich den U.S. Marshalls von damals, sieht sich das Unternehmen aus den kalifornischen Bergen dazu berufen, gewisse Regeln (oft selbsterdachte) im Zusammenleben verschiedener Internet-User zu forcieren. Die neueste Front in diesem Kampf hat Google anscheinend ausgerechnet bei den Affiliate-Netzwerken ausgemacht – bei den mobilen, um genau zu sein.

Das Search-Quality Team. Quelle: Wikipedia

Das Search-Quality Team. Quelle: Wikipedia

“Skrupellose Netzwerke”

In einem kürzlichen Webmaster-Hangout gab Andrey Lipattsev, Search Quality Strategist bei Google, auf die Frage, was momentan auf der Agenda stünde, folgende Antwort (Transscript von SEroundtable):

“There are still a bunch of big things and they have not gone away.

You mentioned affiliate networks. The way I would specify that particular item, it is very close to my heart right now, is the mobile affiliate traffic driving networks. The ones in particular that are engaged in selling mobile traffic from publishers to a whole bunch of programmatic solutions. Very often without the publisher or the advertising network knowing what is happening in between and users are just being bounced from one place to another. To me personally and a bunch of my colleagues that is a big deal. That is something we are looking at…

Some don’t care about their mobile users and they sell that traffic and land their mobile users somewhere. That is upsetting. That is something we will be dealing with.” (fettgedrucktes beachten)

Auch wenn Barry Schwartz mit der Formulierung “skrupellose Netzwerke” vielleicht ein wenig übertreibt, wird aus der obigen Antwort doch recht deutlich, worauf das Augenmerk momentan gerichtet ist: auf mobilen Traffic, der über fragwürdige Umwege auf diverse Seiten, meist mit Programmatic Advertising, umgeleitet bzw. an diese verkauft wird.

Es gibt eine ganze Reihe von kleinen Mobile Affiliate Networks, die sich hauptsächlich dadurch auszeichnen, sog. “Arbitrage” zu betreiben, sprich: den Preisunterschied zwischen gekauftem Traffic und gezahlter Provision durch etwaige Advertiser in bares Geld zu verwandeln.

Hinweis für Affiliates/Leser: Wie seo-united.de richtig bemerkte, stellt Lipattsev später jedoch noch einmal klar, dass mit dem Modell Affiliate an sich alles in Ordnung ist und man nicht generell gegen ähnliche Methoden vorgehen wolle. Zitat:

“Affiliation as a model – where people have partnerships and drive traffic to each other – that is great.”

Der Ablauf

Wie so etwas in der Praxis funktioniert, erklärt dieser Artikel von Adbeat.com sehr anschaulich: anhand von drei verschiedenen Advertisern wird aufgezeigt, wie man mit billig gekauftem Traffic von Netzwerken wie z.B. Outbrain und dem Weiterleiten an Anbieter mit deutlich höheren Auszahlungen wie Google Adsense.

Billig ein- und teuer verkaufen: Traffic Arbitrage. Quelle: Adbeat.com

Billig ein- und teuer verkaufen: Traffic Arbitrage. Quelle: Adbeat.com

Rund $2 Millionen wurden hier bei Outbrain investiert, umgeleitet, und dann auf entsprechenden Seiten über Google Adsense monetarisiert. Wie lukrativ das ist, sieht man dann im zweiten Screenshot, wo LMB Insurance ganze $6.6 Millionen an Google zahlte:

Rund $9 Millionen Ausgaben, das meiste für Adsense. Quelle: Adbeat.com

Rund $9 Millionen Ausgaben, das meiste für Adsense. Quelle: Adbeat.com

Das “schlimmste” daran: dank diverser Traffic-Weichen, Programmatic Ads und RTB läuft so etwas nahezu automatisch im Hintergrund ab und es erfordert, zumindest auf Seiten der Endverbraucher, einiges an Know-How um es zu bemerken. Da auf Smartphones quasi keine der Umleitungen im Browser direkt zu erkennen wäre (geschweige denn in Apps), ist dies jedoch leichter gesagt, als getan. Und genau hier scheint Google seine Verantwortung zu sehen.

Dass diese Geschäfte nicht unbedingt koscher sind, erkennt der geübte Beobachter vor allem daran, dass man entweder keine Namen der Beteiligten findet, oder solche Themen direkt bei Blackhatworld.com im Forum diskutiert werden. Schließlich will man sich bei solchen Geschäften zwar nur ungerne auf die Finger schauen lassen, dafür möchte man aber umso lieber mit den “unlauteren” Gewinnen angeben können.

CPC-Forum bei Blackhatworld - reichlich Auswahl. Quelle: Screenshot

CPC-Forum bei Blackhatworld – reichlich Auswahl. Quelle: Screenshot

Übrigens: Selbst bei den Schwarzhüten beschwert man sich über Bots und rätselt, wie man selbige enttarnen und aussortieren kann – schließlich bringt auch die beste Umleitung nichts, wenn der Traffic am Ende gar nicht echt ist. Das ist allerdings ein Thema für einen eigenen Artikel.

Social Media als zukünftiges Spielfeld

(Anm.: Auch wenn hier der Begriff “Arbitrage” verwendet wird, handelt es sich um einen anderen Vorgang.)

Ein weiterer Abschnitt der “Frontier” wenn man so will, ist Social Media. Zwar wird auch hier Traffic nach dem oben beschriebenen Modell umgeleitet – das größte Problem besteht jedoch für viele in der Arbitrage von Userdaten. Seit Jahren sammeln die großen Anbieter wie Facebook oder Instagram alles an Daten, was User bereit sind, preiszugeben. Dass diese Daten dann leider nicht nur dafür verwendet werden, die User Experience zu verbessern, sondern diese an Advertiser für teures Geld weiter verkauft werden, stößt einigen Leuten (zu Recht) sauer auf.
Daher hat sich ein kleines Entwicklerteam aus den Staaten eine Methode ausgedacht, um selbst diese, eigentlich idiotensichere, Form des Datenhandels zu unterbinden bzw. zumindest deutlich zu erschweren – mit gefakten Profilen. (t3n.de)

Der ein oder andere Leser fühlt sich jetzt vielleicht auch an die ersten Tage von Adblockern erinnert? (Timeline)

Fazit

Die Grenzen zwischen rechtmäßigem Affiliate-Marketing und dem, was man wohl als “Etikettenschwindel” bezeichnen müsste, verfließen immer stärker und anscheinend ist mittlerweile ein Punkt erreicht, wo Google deutlichen Handlungsbedarf sieht.

Für “ehrliche” Affiliate-Marketer sollte dies mMn. ein Grund zur Freude sein, denn je weniger “Blackhats” sich in der Branche tummeln, desto besser wird das Ansehen aller Beteiligten – was im Mobile-Bereich mittlerweile dringend nötig zu sein scheint.

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