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Google AMP schlecht für Advertiser?

Die “Accelerated Mobile Pages” sind zwar schnell, doch scheinen diverse Publisher und Advertiser deutliche Rückgänge bei der Monetarisierung festzustellen. Eine Umfrage des Wall Street Journal hat kürzlich festgestellt, dass AMP nicht unbedingt hält, was es ursprünglich versprach – Google sieht das anders.

AMP – Die sogenannten “Accelerated Mobile Pages” sind ein fest vorgegebenes Format für Mobile Websites, welches es Google erlaubt, diese deutlich schneller zu laden, als es bei anderen Formaten der Fall wäre.

Hierzu müssen Webseitenbetreiber allerdings im Bereich des Content, besonders aber bei Medien und Ads, einige Vorgaben erfüllen, deren Rahmen doch recht eng zu sein scheint. Bis auf wenige Parameter, muss das von Google bereitgestellte Template verwendet werden, wenn man in den Genuss der “Vorzugsbehandlung” von AMP kommen will.

Diese Vorzugsbehandlung zeichnet sich vor allem durch eine Platzierung “above the fold” aus – einem offensichtlichen Visibility-Boost, wie er stärker nicht sein könnte.

Wie dies praktisch umgesetzt wird (und wie es sich auf SEO auswirkt), könnt Ihr hier nachlesen ->

Eine echte Expertenmeinung zu AMP-SEO von “Yoast” ->

WSJ-Report: Publisher unzufrieden

Nachdem AMP mittlerweile rund ein halbes Jahr zur Verfügung steht und Google erst kürzlich die Trennung von mobilem und Desktop-Index bekanntgegeben hatte, ist es wohl an der Zeit, sich die Auswirkungen von AMP auf Suchergebnisse und Reichweite einmal genauer anzuschauen.

Das Wall Street Journal hat letzte Woche einen Report veröffentlicht, in welchem die Stimmungslage der News-Branche ein wenig genauer unter die Lupe genommen wurde – mit teilweise überraschendem Ergebnis.

Seitdem Google begonnen hat, für immer mehr Suchanfragen die AMP-Version von Seiten einzublenden, geht der Traffic auf die “full mobile pages” einiger Anbieter, wie es im Bericht heisst, deutlich zurück. Das wäre an sich kein Problem, wenn nicht einige Publisher hätten feststellen müssen, dass die “geAMPten” Seiten teilweise deutlich weniger Umsatz bringen, als erwartet.

Durch die strengen Vorgaben bei den Werbeformaten geschieht es immer häufiger, dass die von den jeweiligen Publishern bevorzugten (weil lukrativsten) Ads falsch, schlecht oder schlicht gar nicht mehr angezeigt werden. Die Rede ist von teilweise 50% oder mehr Umsatzverlust. Eine “Verbesserung”, wie Google sie ursprünglich angekündigt hatte, sieht anders aus.

Widersprüche

Den Grund für den teilweise massiven Umsatzeinbruch sieht Google selbst vor allem in den bereits erwähnten Einschränkungen bei den Formaten. Viele Publisher würden entweder hoch-individuelle Formate, Sponsorships oder Pop-Ups verwenden – die in ihrer üblichen Form bei AMP nicht dargestellt werden und somit auch keinen Umsatz bringen können.

Die Schuld dafür sieht Google´s Vice President of News, Richard Gingras, allerdings nicht bei AMP, sondern bei den Publishern, welche seiner Meinung nach das Format nicht voll ausnutzen. Seiten, welche die Vorgaben und Best Practices beachten, könnten mit ähnlichen Umsätzen rechnen, wie das bei den “full mobile pages” der Fall ist:

“We want to drive the ecosystem forward, but obviously these things don’t happen overnight. The objective of AMP is to have it drive more revenue for publishers than non-AMP pages. We’re not there yet”

Unabhängig davon, wie Google selbst die Situation darstellt, scheinen einige Publisher alles andere, als überzeugt zu sein. Einer der Befragten, gab sogar an, lieber nicht namentlich zu der Situation Stellung zu beziehen, da er sonst sogar eine “persönliche Bestrafung” seitens Google erwarte:

(Google might) turn some knob that hurts the company.”

Inwiefern diese Angst berechtigt ist, sei einmal dahingestellt – die Tatsache, dass es auch im WSJ-Artikel dazu kein wirkliches Widerwort gibt, zeigt aber, dass man die Einschätzung von Google Praktiken zumindest ansatzweise zu teilen scheint.

Den vollständigen Artikel dazu findet Ihr hier ->

Münchner Medientage, Jeff Jarvis und das LSR

Eine Diskussion rund um Google-Platzierungen, AMP und eventuell entgangene Umsätze ist vor allem in Deutschland relevant, da hier bereits seit Jahren ein erbitterter Streit um das sogenannte “Leistungsschutzrecht” stattfindet. Hier versuchen Medienverbände, unter der Leitung von Springer und Pro7Media, Google News (und ähnliche) per Gesetz zu zwingen, entweder die Snippets vieler News-Artikel aus der eigenen Vorschau zu entfernen, oder die Publisher entsprechend an den Einnahmen, die dadurch vermeintlich entstehen, zu beteiligen. Es geht um Millionen.

Meine Meinung zu der Debatte könnt Ihr im 100pp-Blog nachlesen ->

Sollte Google nun auch noch dafür sorgen, dass auf den Seiten, die, AMP sei Dank, bevorzugt auf den ersten Plätzen landen, ganze Werbeformate vollständig entfernt werden (müssen), verschlechtert sich die Situation für viele Publisher zusehends. Das ist auch die Meinung der “VG Media”, welche im oben genannten Streit deutsche Publisher vertritt. Zumindest gehen wir davon aus.

Diese Meinung schießt jedoch völlig am Ziel vorbei, wie letzte Woche auch der “Thinkfluencer” (wie er sich selbst gerne nennt), Medienexperte Jeff Jarvis, auf den Münchner Medientagen versuchte, zu erklären. Anstatt sich weiter zu sträuben und so Leser und Werbekunden gleichzeitig zu verlieren, sollte man lieber mit den großen Plattformen wie Google News oder Facebook zusammenarbeiten. Diese würden nämlich nicht nur Reichweite bringen, sondern könnten den Publishern auch einiges über ihre Leserschaft verraten – sofern diese Google ihre Abo-Listen zur Verfügung stellen würden. So entstehen Synergien, von denen dann hoffentlich alle, inklusive Leser, profitieren können.

So eine Forderung traf, wie zu erwarten, bei der deutschen Medienbranche auf relativ wenig Gegenliebe. FAZ-Online CvD, Matthias Müller von Blumencron, sagte dazu:

„Eine gute alte Lokalzeitung war immer mehr als Journalismus. Sie war ein großes Service-Paket und hatte eine gute Beziehung zu den Lesern.“

Als Beispiele führte er lokale Event-Kalender, Stellen- oder Flohmärkte an, die jedoch in den letzten Jahren an andere Anbieter “verloren” gegangen seien. Hier hätte man “stiefmütterlich” gehandelt.

Inwiefern eine mangelnde Berichterstattung zu lokalen Kleinstereignissen nun wirklich der Kern der Krise der deutschen Zeitungsbranche ist, wage ich nicht zu beurteilen – die Sichtweise zeigt aber sehr deutlich, wie weit die Vorstellungen von “Experten”, “Machern” und letztendlich Google selbst teilweise auseinander gehen.

Vollständiger Artikel zu Münchner Medientagen bei InternetWorld.de ->

Fazit

Ein zweischneidiges Schwert – auf der einen Seite sind die Einbußen aufgrund der Formats-Beschränkungen bei Ads nicht von der Hand zu weisen, auf der anderen Seite will Google die Ladegeschwindigkeit von Seiten in Zukunft zu einem der Hauptranking-Faktoren machen, besonders im mobilen Bereich. Dass also durch die Nutzung des AMP-Formats wiederum User angelockt werden, die man sonst nicht erreicht (siehe Studien zu Ladezeiten und Bounce-Rate zB), trifft ebenso zu.

Über kurz oder lang werden sich die meisten Publisher allerdings ohnehin auf Linie begeben, da Google hier einfach am längeren Hebel sitzt.

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