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Viel Lärm um nichts – Abmahn-”Skandal” bei Testbericht.de

Über das Wochenende gab es bei Facebook und in den Kommentarbereichen zahlreicher Blogs einen mittelgroßen Shitstorm.

Der Grund: Die Betreiber von Testbericht.de hatten behauptet, dass die Konkurrenz gar nicht selbst testen, sondern sich deren Ergebnisse von externen Seiten holen würden.

Man kennt das: auf eine Suchanfrage “Produkt + Test” erscheinen bei Google häufig URLs wie “produkt-test.domain” oder “testberichte-produkt.domain” und ähnlich gestrickte Adressen auf Seite 1, die aufgrund von Wortwahl und Meta-Description den Eindruck erwecken (sollen), dass hier Produkte tatsächlich getestet und verglichen wurden. Oft gibt es dann noch einen vermeintlichen “Test-Sieger”, welcher dann auch direkt über einen Affiliate-Link zu einem der großen Online-Shops bestellt werden kann.

Mittlerweile ist spuelmaschinen-tests.de offline. Quell: Screenshot

Mittlerweile ist spuelmaschinen-tests.de offline. Quelle: Screenshot

Verbraucherschutz

Dass solche Seiten nicht alle Produkte selbst testen (können), sollte den meisten Usern eigentlich klar sein – dennoch war Daniel Brückner von Testbericht.de der Meinung, dass hier ganz bewusste Fakes die Suchergebnisse dominieren und hatte daher eine Recherche gestartet, welche sich vor allem mit Seiten, die “Tests” und vermeintliche “Sieger” auszeichnen, befasste. Das Ergebnis dieser Untersuchung veranlasste ihn, sich mit einer Anfrage an den Bundesverband der Verbraucherzentrale (VZBV) gewandt, um deren Einschätzung der Lage zu erhalten. Konkret ging es um die Seiten “vergleich.org” “warentest.org” und “spuelmaschinen-tests.de”.

Die Antwort auf die Anfrage lautete, wie folgt:

“Generell darf man Ergebnisse anderer seriöser Tests zusammenstellen, um über ein Produkt zu infomieren. Bei den von Ihnen genannten Beispielen vergleich.org, warentest.org und spuelmaschinen-tests.de handelt es sich unserer Einschätzung nach jedoch um unlautere Werbung. Es wird der nicht zutreffende Eindruck vermittelt, dass hier Ergebnisse tatsächlich stattgefundener Tests abgebildet werden und selber getestet worden wäre. Wir prüfen zur Zeit, ob wir Abmahnungen aussprechen.”

Das war Ende Dezember 2016. Mittlerweile wurden tatsächlich einige Seiten aus dem Test-Bereich abgemahnt, was im Laufe des letzten Wochenendes zu teils sehr kritischen Reaktionen geführt hat. Auf der einen Seite begrüßt man es natürlich, wenn unsauberen Methoden ein Riegel vorgeschoben wird, auf der anderen Seite sehen sich viele Leute zu Unrecht beschuldigt.

Kritik geht zurück an Testbericht.de

Neben zahlreichen Vermutungen über die eigentlichen Gründe hinter der Anfrage an den VZBV (welche hier nicht wiedergegeben werden, da rein spekulativ), gab es auch konkrete Vorwürfe an die Adresse von Testbericht.de, selbst nicht immer den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.

Umleitung zu externen Tests: Der erste Vorwurf bezieht sich auf eine in der Branche sehr unübliche (und von Google explizit nicht empfohlene) Umleitung. Normalerweise werden für dauerhafte Umleitungen, wie im Fall von Testbericht.de, eigentlich 301er Statuscodes verwendet. Allerdings stellt sich bei näherer Betrachtung heraus, dass man hierfür das HTML-Tag “meta refresh” benutzt. Nicht nur das: Die Seiten leiten direkt, wie man an den Suchergebnissen sehen kann, auf Tests bei CHIP.de oder Computer-Bild.de um – sollten also eigentlich nicht in den Suchergebnissen erscheinen – ganz besonders nicht auf Seite 1.

“Dubioser Trackingpixel”: Nicht nur, dass diese Weiterleitungen keinen Content und keinen Mehrwert bieten – den Usern wird auch noch ein Facebook-Trackingpixel untergeschoben, welches dann später für Retargeting-Zwecke genutzt werden kann. Bei Facebooks Nutzerzahlen jemanden zu erwischen, der auch tatsächlich ein Konto hat oder sogar während des Surfens dort eingeloggt ist, sind sehr hoch. Ein Kommentator bei OMR nannte es “Taschenspielertrick” und trifft damit den Kern der Sache.

“Das ist eine ganz andere Nummer”

Diese reinen “Umleitungsseiten” ranken nicht besonders gut bei Google und sind im Vergleich zu den von Daniel Brückner untersuchten URLs eher harmlos. Dennoch bleibt ein komischer Beigeschmack. Darauf, und auf die Verwendung der Worte “Test” auf diversen Unterseiten bei Testbericht.de angesprochen, sagt er:

„Wir haben mehr als 300.000 Seiten im Index. Wenn da bei ein paar in der Metadescription das Keyword ‚test’ auftaucht, kann man das mit anderen Seiten gar nicht vergleichen. Das ist eine ganz andere Nummer. Die Grenze verläuft dort, wo jemand sagt, ‚Das ist unser Testsieger’, und das geschieht bei uns nicht.“ (onlinemarketingrockstars.de)

Er wollte mit seiner Recherche lediglich ein Spotlight auf einige, doch recht unschöne, Auswüchse des “Fake-Test Ökosystems” richten, was ihm anscheinend auch gelungen ist.

Abmahnungen und Fazit

Dass Brückners Bemühungen nicht folgenlos (erfolglos?) waren, zeigt folgende Entwicklung: Wie im Original-Artikel zu lesen ist, hatte die Verbraucherzentrale die drei Seiten aus der ursprünglichen Anfrage, vergleich.org, warentest.org und spuelmaschinen-tests.de, abgemahnt und zu einer Umformulierung aufgefordert, die auch anscheinend erfolgt ist.

Interessanter noch ist, was eine kurze Überprüfung durch OMR zu Tage gefördert hat: Nicht nur, dass diverse Seiten die Wortwahl geändert haben – in den Affiliate-Facebookgruppen, in denen die Diskussion am Wochenende erstmals hochkochte, waren zwischenzeitig wohl auch Verkaufsangebote für einige Nischen-Testseiten zu lesen.

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