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Google beendet “First Click Free”, unterstützt Publisher bei Abo-Abschlüssen

 

Als Mitte letzten Monats von Google die Ankündigung kam, die “First Click Free” Policy abzuschaffen, sorgte dies bereits im Vorfeld für positive Stimmung bei vielen Publishern. Seit Sonntag gelten nun die neuen Regeln.

Die langwierigen Debatten um AdBlocker, “Leistungsschutzrecht”, die Länge von Snippets in den Suchergebnissen und zuletzt auch die “First Click Free”-Richtlinien von Google haben in den letzten Jahren unmissverständlich gezeigt, dass die Monetarisierung von Inhalten im Netz auch große und bekannte Publisher vor einige Probleme stellt.

 

Besonders die Nachrichten- bzw. Zeitungsbranche hat(te) damit zu kämpfen, Berichte über und Kommentare zu aktuellen Ereignissen in bare Münze zu verwandeln. Eine Mischung aus Social Media, Unabhängiger Presse (meist crowdfunded) und schlichtweg geklauten Inhalten (von der Tatsache, dass viele Outlets die Agenturmeldungen teils 1:1 wiedergeben einmal abgesehen) haben dafür gesorgt, dass Seiten wie das Wall Street Journal, die New York Times oder auch hierzulande die BILD einen Großteil ihres Contents mittlerweile hinter einer Paywall “verstecken”.

 

Statt einer Paywall appelliert der Guardian an das Gewissen der Leser.

 

Andere Anbieter, wie z.B. der “Guardian” oder das Medien-Magazin “t3n” fordern User hingegen auf, doch bitte eine Spende zu hinterlassen, um auch weiterhin “unabhängigen und qualitativ hochwertigen Journalismus garantieren zu können” – soweit zumindest die Selbstdarstellung.

Zumindest eines scheint klar zu sein: das rein werbefinanzierte Modell, wie es seit vielen Jahren üblich war, hat im Jahr 2017 endgültig ausgedient, wie auch Financial Times CCO Jon Slade kommentierte (Zitat):

“It’s extremely clear that advertising alone can no longer pay for the production and distribution of high quality journalism—and at the same time the societal need for sustainable independent journalism has never been greater.  Reader-based revenue, aka paid-content, or subscription services, are therefore not just a nice-to-have, but an essential component of a publisher’s revenue composition,”

Eine Mischung aus Abo-Modellen, Crowdfunding und Paywalls soll also die Zukunft der Branche retten, so die Pläne der Verantwortlichen.

Google to the Rescue!

Da Google als größte Suchmaschine und News-Aggregator stets im Mittelpunkt der Debatte um die Monetarisierung von journalistischen Inhalten stand, war eine Lösung der oben beschriebenen Probleme nicht ohne die Hilfe von “Big G” zu bewerkstelligen. In einem Blogbeitrag, der auf elegante Art und Weise die Verantwortung Googles für den jetzigen Zustand ausblendet, hat sich der Internetriese nun dazu durchgerungen, der Nachrichten-Branche unter die Arme zu greifen. Nicht nur, dass die verhasste “First Click Free”-Regelung endgültig aufgegeben wurde, Google will Publishern jetzt auch aktiv dabei behilflich sein, eine stabile (und vor allem finanziell tragbare) Balance zwischen “Gratiscontent” und bezahlten Inhalten bzw. Abonnements zu erreichen. Dazu wurden (werden) konkret folgende Schritte unternommen:

  • “First Click Free” ist endgültig Geschichte
  • Wird ersetzt durch “flexible Sampling” (unten dazu mehr)
  • Das Abschließen von Abonnements bzw Bezahlung von kostenpflichtigen Inhalten soll deutlich erleichtert werden

Flexible Sampling

Anstatt, wie bisher, täglich mindestens drei vollständige Artikel als “Leseprobe” zur Verfügung stellen zu müssen, um nicht in den SERPs automatisch nach unten gedrückt zu werden, haben Publisher nun die Möglichkeit, die Anzahl der kostenfreien Artikel bzw die Länge der Snippets außerhalb der Paywall selbst zu bestimmen. Dies ermöglicht endlich individuelle Lösungen für verschiedene Outlets, deren User sich teilweise doch sehr deutlich in ihren Lese- und Bezahlgewohnheiten unterscheiden.

Diese Umstellung ist laut Google das Ergebnis monatelanger Tests mit der New York Times und der Financial Times, die bereits beide seit geraumer Zeit mit sehr erfolgreichen Abo-Modellen arbeiten und die Monetarisierung ihrer Inhalte auf ein solides Fundament setzen konnten.

Um “Flexible Sampling” sinnvoll einsetzen zu können, hat Google eigens einen neuen Guide erstellt, den Ihr hier findet. Neben der Erklärung des neuen Modells finden sich hier vor allem Faustregeln zur Umsetzung, die man aus den Tests mit NYT und FT gelernt hat.

Unterstützung für Abo-Abschlüsse

Nicht nur, dass sich Google endlich dazu durchgerungen hat, die teilweise recht unsinnige “First Click Free” Policy abzuschaffen, der Suchmaschinen-Gigant will Outlets dabei helfen, die Bezahlung von Artikeln oder Abschließen von Abos nahtlos in die Suchergebnisse einzubinden.

Abgesehen von der monetären Hürde, sorgen vor allem der Zeitverlust und Aufwand beim Abschließen eines Abos bei vielen Usern dazu, lieber auf Content zu verzichten, anstatt E-Mail, Adresse und Kreditkartennummer zu hinterlassen – ganz besonders, wenn es sich nicht ohnehin schon um Stammleser handelt.

In Zukunft will Google die bereits von vielen Usern hinterlegten Daten dazu nutzen, den Bezahlvorgang zu vereinfachen und abzukürzen. Angepeilt ist eine One-Click-Lösung, die den gekauften Content danach auch geräteübergreifend bereitstellt – was vermutlich jedoch nur bei Google eingeloggten Usern vorbehalten bleibt.

Auf der anderen Seite plant Google eine einheitliche (skalierbare) Abo-Technik, die von den unterschiedlichsten Publishern genutzt werden kann. Diese soll, zusätzlich zum vereinfachten Abo-Abschluss, durch Machine Learning Publishern die Möglichkeit geben, auch potentielle Abonnenten zu erkennen und im richtigen Moment anzusprechen.

Die Technik steckt noch in den Kinderschuhen, dürfte aber durch das große Feedback verschiedener Publisher(modelle) schnell erste Ergebnisse liefern, die dann hoffentlich der Branche als ganzes helfen.

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1 Comment  comments 

Ein Antwort

  1. Das klingt an sich nach einem sehr großem Update, ich bin mal gespannt wie die Umsetzung wirkt. Google ist mit seiner Größe an einem wirtschaftlich sehr interessanten Punkt angelangt, die nächsten Jahre sind auf jeden Fall nicht unwichtig für das Unternehmen. Mal schauen was im Ad-Bereich noch so passiert ^^

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